Trumps Familientrennungspolitik

Zynisches Kalkül

von Redaktion

Niemand wird sagen können, er habe nicht gewusst, was an der Grenze zu Mexiko vor sich geht. Im Auftrag des US-Präsidenten werden dort Kinder von der Brust ihrer Mutter genommen, getrennt von ihren Eltern in Lager gesteckt, die an Hundezwinger erinnern, und einer ungewissen Zukunft überlassen. In ihrem krankhaften Eifer haben Trumps willige Helfershelfer so viele Familien auseinandergerissen, dass sie den Überblick verloren haben. Der erzwungene Abschied an der Grenze kann für lange Zeit, im ärgsten Fall für immer sein.

Donald Trump lügt, wenn er behauptet, ein Gesetz seines Vorgängers Barack Obama erzwinge dieses unmenschliche Vorgehen gegen die Schwächsten der Schwachen. Ein solches Gesetz gibt es nachweislich nicht. Die unmenschliche Praxis an der Südgrenze ist einzig und allein das Ergebnis eines zynischen Kalküls der amtierenden US-Regierung. Sie macht Kinder zum Faustpfand im Ringen um Mittel für die versprochene Mauer an der Südgrenze. Der Druck ist nun offenbar auch für Trump zu groß geworden. Er will die Praxis – zumindest vorübergehend – beenden. Gut so, denn ein Vorgehen wie das an der mexikanischen Grenze verrät alles, wofür Amerika einmal gestanden hat.

Thomas Spang

Sie erreichen den Autor unter

Politik@ovb.net

Artikel 1 von 11