100 Tage ist Markus Söder im Amt. Im Durchschnitt, das lässt den Atem stocken, hat er jeden Tag neue Pläne und Ankündigungen für mehrere Millionen Euro vorgelegt. Kein Zweifel: Das ist der teuerste Ministerpräsident, den sich Bayern je geleistet hat. Er ist allerdings auch der einfallsreichste seit anderthalb Jahrzehnten.
Söders Regierungserklärung war wuchtig und wenigstens in Teilen weitblickend. Man darf lächeln oder sich ärgern über aktionistische Passagen (Polizeipferde! Punktgenau vor der Wahl ausgezahlte neue Sozialleistungen!) Alles andere als lächerlich ist die Anstrengung, den Forschungs- und Hightechstandort fortzuentwickeln: Flugtaxis, Raumfahrt-Fakultäten und Klinikprojekte sind der Gegenentwurf zu Bräsigkeit und Selbstgenügsamkeit, in die wohlhabende Regionen zu verfallen drohen. Bayern wird nicht mehr im Standgas verwaltet.
Söders größtes Risiko für die kommenden 114 Tage ist ausgerechnet sein Lieblingsthema: Mit den extrem schroffen Äußerungen zur Migrationspolitik trifft er den Nerv einer emotional bewegten und großen Gruppe im Land. Das Profil als Modernisierer und Landesvater, das er sich gern geben würde, überdeckt er mit dieser Fokussierung aber weitgehend. Kurios: Der teuerste Regent muss aufpassen, sich nicht unter Wert zu verkaufen.
Christian Deutschländer
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