Die Deutsche Bahn verlangt von Lehrstellenbewerbern künftig kein förmliches Anschreiben mehr. Was nach einer Modernisierungswelle im Staatskonzern klingt, ist lediglich die Folge einer Umkehr von Machtverhältnissen auf dem Arbeitsmarkt. Heute ist der Arbeitsmarkt ein anderer. Gerade in wirtschaftsstarken Regionen wie Oberbayern sind es nun die Unternehmen, die Jugendliche umwerben.
Viele Firmen haben das Anschreiben daher schon vor Jahren abgeschafft. Bei allem verständlichen Klagen der Unternehmen über den Fachkräftemangel zeigt sich nun, dass sich der Lehrstellenmangel in bestimmten Bereichen auch positiv auswirken kann. Den Unternehmen bleibt momentan nichts anderes übrig, als alte Vorgehensweisen zu hinterfragen. Statt einer strengen Formalität stehen künftig stärker die Qualifikation und die individuellen Fertigkeiten der Lehrstellenbewerber im Mittelpunkt – zum Vorteil der Jugendlichen.
Es besteht jetzt die Hoffnung, dass andere Unternehmen dem Beispiel der Bahn folgen. Aber vermutlich wird allein schon die Marktlogik dafür sorgen, dass die Tage des formellen Bewerbungsschreibens gezählt sind.
Sebastian Hölzle
Sie erreichen den Autor unter
sebastian.hoelzle@ovb.net