Der Personalmangel in der Pflege ist groß. Schon jetzt fehlen bundesweit mehr als 36 000 Fachkräfte. Für das Jahr 2035 prognostiziert die Bertelsmann-Stiftung sogar eine Lücke von 500 000 Vollzeitkräften. Auch wenn man diese Zahl mit Vorsicht genießen muss, ist klar: Die Situation wird sich verschärfen. Zudem kann der Staat nicht darauf warten, dass die Gesetze des Markts die Sache regeln werden. Denn hier geht es um die Versorgung von Menschen. Die Politik muss handeln.
Zusätzliche Fachkräfte aus dem Ausland können eine erste Maßnahme sein, um Personallöcher zu stopfen. Doch die Lösung des Problems ist das nicht. Denn auch im Kosovo und in Albanien muss man Pflegekräfte mit ausreichender Qualifikation und Sprachkenntnissen erst einmal in großer Zahl finden. Das hat auch die Große Koalition begriffen, und will vor allem die Arbeitsbedingungen verbessern. In der oft schlecht bezahlten Altenpflege soll zudem ein Flächentarifvertrag her, der Ausbeutung verhindert. Der Job soll aufgewertet werden. „Es muss cool sein, Pflegefachkraft zu sein“, sagt Familienministerin Franziska Giffey (SPD). Sie hat Recht.
Doch noch gilt das Gegenteil. Das Image, das Pflegeberufen anhaftet, ist fatal. Und die privaten Arbeitgeber in der Altenpflege haben auch gleich mal klargemacht, dass sie von allgemeinverbindlichen Tarifen ziemlich wenig halten. Das Problem: Ohne sie geht es nicht. Vor der Koalition liegt eine enorm schwierige Aufgabe.
Sebastian Horsch
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