Teheran/Paris – Nach tagelangen Protesten in Teheran ist es am Wochenende auch in anderen Teilen des Irans zu Unruhen gekommen. Auslöser waren Probleme mit der Wasserversorgung. Innenminister Abdulresa Rahmani Fasli bestätigte am Sonntag den Polizeieinsatz mit Schusswaffen bei Unruhen in der südwestlichen Provinz Chusestan. Dort hatten Städte wie Chorramschar tagelang bei Temperaturen über 45 Grad Celsius kein Trinkwasser. In Berichten in sozialen Medien hieß es, bei den Protesten seien auch Parolen gegen die Regierung und das islamische System laut geworden. Augenzeugen berichteten von Toten nach Schüssen der Polizei. „Es gab einen Verletzten, aber keinen Toten“, sagte Minister Fasli laut der Nachrichtenagentur Fars. Mit Protestdemonstrationen habe das Innenministerium keine Probleme, die Polizei sei aber gezwungen einzugreifen, wenn diese „außer Kontrolle“ gerieten. Ursache des Wassermangels soll der Bruch einer Leitung sein.
In Paris kamen am Wochenende zehntausende iranische Regimegegner zu einer Versammlung zusammen. Die Veranstalter vom Iranischen Widerstandsrat erklärten, alleine aus Deutschland seien 30 000 Menschen in 50 Bussen angereist. Überprüfen ließ sich diese Aussage nicht. Die Veranstalter riefen zum Sturz der „Religionsdiktatur“ im Iran auf. Der Zustand der Gesellschaft sei explosiv, die Revolutionsgarden litten unter Desertionen und die Mullahs könnten nicht mehr auf die USA als Vertreter einer Beschwichtigungspolitik zählen. An der Veranstaltung nahm neben anderen der frühere französische Außenminister Philippe Douste-Blazy teil.
Der iranische Präsident Hassan Ruhani reist an diesem Montag in die Schweiz, um mit der Regierung über die Folgen des US-Ausstiegs aus dem Atomabkommen zu sprechen. Weiteres Thema ist die Zukunft der Wirtschaftsbeziehungen unter dem Eindruck der US-Sanktionen gegen den Iran. Am Mittwoch reist Ruhani zum Treffen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nach Österreich.