Eines vorweg: Die Leistungen der bayerischen Einser-Abiturienten sollten nicht schlechtgeredet werden. In einem Fünf-Fächer-Abitur mit Deutsch und Mathe als Pflicht-Prüfungsfächern am Ende eine Eins vor dem Komma zu haben, ist zweifellos bemerkenswert. Allerdings ist die Inflation guter Noten zugleich ein problematischer Trend. Denn immer mehr sehr gute Schüler konkurrieren um eine gleichbleibende Anzahl von Studienplätzen in Hochleistungs-Studienfächern. Den Universitäten wird nichts anderes übrig bleiben, als darauf mit mehr Hochschuleingangsprüfungen zu reagieren. Im Endeffekt wäre das Versprechen, mit dem Abitur in Bayern die allgemeine Hochschulreife erlangt zu haben, nicht mehr als eine Worthülse.
Anstatt solche künstlichen Bremsen einzubauen, wäre es besser, an der Wurzel anzufangen: Die Supernotenschnitte vieler Schüler haben natürlich auch etwas mit der erst beim G8 eingeführten gleichen Gewichtung schriftlicher und mündlicher Leistungen zu tun. Mündlich sind viele Schüler nun mal besser als schriftlich! Es gibt die Chance, diesen Fehler nun zu korrigieren: Im neuen G9, wo die Oberstufe neu konzipiert werden muss. Noch ist Zeit, die Weichen richtig zu stellen.
Dirk Walter
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