Der Krieg in Syrien neigt sich langsam dem Ende zu, was eine positive Nachricht wäre, wenn der Sieger nicht Baschar al-Assad hieße. Der Sturm auf die Rebellenregion Daraa im Süden des Landes ist wohl das vorletzte Kapitel seines völlig zügellosen Kampfes um die Macht – Idlib im Nordwesten dürfte das letzte werden. Dass Daraa eigentlich als Deeskalationszone galt, hielt Assad nicht davon ab, in ein paar Tagen mehr als 300 000 Menschen in die Flucht zu treiben. Und während Russland, der nette WM-Gastgeber, ihn munter unterstützt, ist von den USA nichts mehr zu hören. Washington hat den Rebellen leise die Unterstützung gekündigt.
Der unvermeidliche Sieg Assads hat Folgen – auch für Deutschland. Nicht weil nun wieder besonders viele Flüchtlinge aus Syrien kämen. Sie schaffen es ja nicht mal ins benachbarte Jordanien, das seine Grenzen wegen Überlastung dicht gemacht hat. Sondern weil der Verbleib Assads an der Macht eine offene Wunde in den Herzen der Geflüchteten ist. Wie sollte er für Versöhnung stehen? Und wie sollten jene, die aus Angst und Not in Deutschland Zuflucht gesucht haben, jemals in dieses Syrien zurückkehren? Deutschland und Europa haben darauf genauso wenig eine Antwort wie auf die Gräuel Assads.
Marcus Mäckler
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