Mays neuer Brexit-Kurs

Chance für die Vernunft

von Redaktion

Die Mauern von Chequers, dem Landsitz der britischen Premierminister, waren schon Zeuge vieler heftiger Debatten. Aus deutscher Sicht unvergessen ist etwa das Seminar, das Margaret Thatcher 1990 hier mit Historikern über die Frage abhielt, ob man den Deutschen im Falle der Wiedervereinigung wohl trauen könne – mit wenig schmeichelhaften Einschätzungen für uns „Krauts“. Wenn heute Premierministerin Theresa May und ihre Minister in dem ehrwürdigen Herrenhaus zusammenkommen, stehen sie auch vor einer historischen Entscheidung: Es geht um den Charakter des Brexits und die Zukunft des Königreichs.

Wenn die Spatzen auf den Dächern des Londoner Regierungsbezirks keine „Fake News“ pfeifen, scheint sich May zu einer Wende entschlossen zu haben: Predigte sie seit ihrem Amtsantritt stets den „harten“ Brexit mit Austritt aus Binnenmarkt und Zollunion, so haben die alarmierenden Warnungen aus der Wirtschaft ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. Jetzt sucht May ihr Kabinett auf einen Kurs der engen Anlehnung an die EU einzuschwören. May muss die Machtprobe mit den Brexit-Fanatikern um Boris Johnson suchen, wenn sie nicht als Premierministerin in die Geschichte eingehen will, die ihr Land ins Desaster geführt hat.

Alexander Weber

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