Nordkorea-Reise des US-Außenministers

Mit heißer Nadel

von Redaktion

Nach dem Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un im Juni tönte US-Präsident Donald Trump vielleicht in einem Anflug von Selbstlob: Es gebe keine nukleare Bedrohung durch Nordkorea, die US-Bürger könnten sich nun viel sicherer als bei seinem Amtsantritt fühlen. Doch die jüngsten Entwicklungen werfen die Frage auf: Außer Spesen und schönen Bildern für Kim nicht viel gewesen?

Nach der Reise von US-Außenminister Mike Pompeo nach Nordkorea, der die Details der Übereinkunft zur nuklearen Entwaffnung konkretisieren sollte, liegen Tag und Nacht zwischen den Bewertungen dieser Mission durch beide Seiten. Doch was zählt, ist der Blickwinkel der Diktatur. Und dort spricht man von „bedauerlichen“ Gesprächen, die die zur Abrüstung ins Wanken bringen könnten.

Jenseits der Gipfel-Worte der beiden Hauptdarsteller gibt es überhaupt kein handfestes Indiz dafür, dass die Absicht zur Denuklearisierung überhaupt besteht. Die Erfahrungen der Geschichte sprechen vielmehr gegen ehrliche Absichten Kims, für den das Treffen ein massiver Propagandaerfolg war, weil er sich mit dem US-Präsidenten erstmals auf Augenhöhe treffen konnte. Immer klarer wird, dass dieser Termin mit heißer Nadel gestrickt wurde und die so wichtigen Detailfragen offensichtlich vollständig ausgeklammert worden sind.

Friedemann Diederichs

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