Entscheidungsschlacht um den Brexit

Hopp oder topp

von Redaktion

„In des Lebens höchster Not ist der Mittelweg der Tod“, sagt eine Volksweisheit. Die britische Premierministerin Theresa May hat nach fast zweijährigem Herumeiern erkannt, dass die Zeit der Entscheidung in der Causa Brexit gekommen ist. „Hopp oder topp“ lautet nun ihr Motto in den kommenden schicksalhaften Tagen für sie persönlich, aber vor allem auch für das Vereinigte Königreich. Angesichts der immer schrilleren Warnungen aus der Welt der Wirtschaft musste die Premierministerin die Machtprobe suchen. Am vergangenen Freitag rief sie ihr Kabinett ins Konklave nach Chequers und legte einen neuen Kurs fest: Brexit so weich wie möglich.

Dass die beiden hartgesottensten Brexiteers im Kabinett, David Davis und Boris Johnson, in diesem Fall ihren Hut nehmen würden, war fast unvermeidlich. Als „Scheißhaufen“ soll Johnson in der ihm eigenen Art den neuen Kurs bezeichnet haben. Da bleibt kaum eine andere Option als Rücktritt. Spannender wird die Frage, ob das Enfant terrible der britischen Politik im Parlament die offene Rebellion gegen May und damit den Königsmord wagt. May hat zwei Joker im Ärmel: zum einen die wirtschaftliche Vernunft, die ihr Land vor Schaden bewahrt. Zum anderen: Es gibt keine unumstrittene personelle Alternative zu ihr. Stürzt May, sind Neuwahlen beinahe unausweichlich, der Machtverlust für die zerstrittene Tory-Partei wahrscheinlich. Mit diesem Pfund wird May jetzt wuchern.

Alexander Weber

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