Nato-Treffen

Gipfel der Uneinigkeit

von Redaktion

„Mache mich jetzt auf nach Europa“, twitterte Donald Trump gestern und es klang fast ein bisschen vorfreudig. Subtext: Endlich darf ich die da drüben wieder mit Ihr-seid-unfair-Predigten quälen. Tja, so wird’s wohl kommen. Beim Nato-Gipfel wird der US-Präsident die aus seiner Sicht mangelhafte Lastenteilung im Bündnis anprangern. Und manche fragen sich, ob er noch eine Schippe obendrauf legt. Der Bruch mit dem Bündnis? Eher nicht. Aber ein mittelgroßer Eklat ist allemal drin. Wie nach dem G7-Gipfel, als Trump das gerade unterzeichnete Abschlusspapier aus dem Flieger heraus beerdigte.

Nato-Gipfel waren mal Demonstrationen der Einigkeit, heute gilt das Gegenteil. Während der US-Präsident bei den alten Verbündeten seinen Frust ablädt, sucht er die Nähe von Männern wie Kim Jong-Un (den er nach dem G7-Gipfel umschwärmte) und Wladimir Putin (den er nach dem Nato-Gipfel trifft). Das sind Zeichen der Entfremdung, die aber bis dato nur für Trump gelten. In der US-Regierung ist die Nato, gerade angesichts russischer Umtriebe, unumstritten. Statt auf Trumps Anerkennung zu warten, sollten sich die Verbündeten an die loyalen Kräfte in den USA halten und selbstbewusst daran arbeiten, dass das Bündnis Trumps Präsidentschaft überlebt. Der heutige Gipfel könnte die erste große Herausforderung werden.

Marcus Mäckler

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