Lahm übt Kritik an Löw

Kühler Stratege

von Redaktion

Vor vielen Jahren, als er noch Spieler war, hat Philipp Lahm mal ein Interview am FC Bayern vorbei geführt. Die Bosse schäumten und verhängten eine Geldstrafe, doch die nahm Lahm gerne in Kauf. Es dauerte nicht lange, bis seine Ansichten zu Personalpolitik, Spielweise und dem Trainer, zu den grundsätzlichen Themen also, von der Vereinsspitze geteilt wurden.

Lahm ist niemand, der sich unüberlegt äußert. Wenn er nun Joachim Löw empfiehlt, seinen Führungsstil zu überdenken, mag er in der Wortwahl diplomatisch klingen, in der Sache aber steht er felsenfest. Auch dass er seine Meinung über ein Business-Netzwerk verbreitet, spricht Bände. Längst ist Lahm ja nicht mehr Fußballer, sondern Geschäftsmann. Er will nicht bloß Ansichten äußern, er will Prozesse anstoßen.

Seine Empfehlungen, so besonnen wie punktgenau, kommen zu einem delikaten Zeitpunkt. Das deutsche WM-Aus wäre schon blamabel genug gewesen, doch richtig peinlich wurde es, als Reinhard Grindel und Oliver Bierhoff sich ans Krisenmanagement machten. Während sich die Führungscrew in erbärmlichem Zustand zeigt, schärft Philipp Lahm sein Profil als kühler Stratege. Man wird noch von ihm hören. Auch beim DFB.

Marc Beyer

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