Festgenommener Bodyguard

Macron in der Defensive

von Redaktion

Man stelle sich folgendes Szenario kurz in Deutschland vor: Am Rande der großen Kundgebung am 1. Mai verprügelt ein Bodyguard von Angela Merkel – unerlaubterweise mit einem Polizei-Helm ausgestattet – einen jungen Demonstranten. Erst nachdem fast drei Monate später ein Video des Übergriffs im Internet die Runde macht, wird der Mann endlich vernommen und suspendiert. Aus strategischer Sicht würde man kopfschüttelnd sagen: Das hat das Zeug zu einem handfesten Skandal.

Tatsächlich bringt der beschriebene Sachverhalt Merkels Partner, den französischen Staatschef Emmanuel Macron, aktuell in Erklärungsnot. Warum griff die Polizei-Einsatzleitung nicht ein? Warum wurde erst spät auf die Vorwürfe gegen Macrons „Sicherheitsmitarbeiter“ reagiert? Wie kann es sein, dass die Vorwürfe dem Elysée-Palast offenbar früh bekannt waren – und nicht an die Staatsanwaltschaft weitergereicht wurden?

Bisher schweigt Macron, während sein Sprecher scheibchenweise auf die vielen Fragen reagiert. Dabei wäre der Präsident, der heikle Themen (Rente, Arbeitsmarkt, Gesundheitspolitik) durch kluge und offene Kommunikation entschärft hat, selbst gefragt. Denn einen Staatschef, der einen prügelnden Mitarbeiter duldet, vielleicht gar schützt – das goutiert selbstredend auch in Frankreich der überwältigende Teil der Wählerschaft nicht.

Maximilian Heim

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