Das bayerische Kabinett geht in die Sommerpause. Ein paar Tage Zeit zum Innehalten, selbst für den omnipräsenten Ministerpräsidenten, der im Wahlkampf ebenso fleißig wie rastlos von Termin zu Termin durchs Land jagt. Er will, nein er muss einfach die schwachen Umfragewerte der CSU drehen. Irgendwie! Mehrfach hat er deshalb die Strategie geändert: Vom fürsorglichen Landesvater mutierte er zum Asyl-Hardliner – und wieder zurück.
Doch wo ist eigentlich das bayerische Kabinett? Hinter Söders Dominanz ist es keinem der Neuen gelungen, ein eigenes Profil zu entwickeln. Solide wird mit jeder Kabinettssitzung das abgearbeitet, was der Chef in seiner Regierungserklärung angekündigt hatte. Doch es bleibt Söders Pflegegeld, Söders Grenzpolizei, Söders Wohnungsbau-Gesellschaft. Selbst gestern, als Sozialministerin Kerstin Schreyer die Neuregelungen bei der Inklusion vorstellen wollte, stahl ihr der Chef mit seinem Kirchen-Besuch die Show. Endlich mal ein Söder-Foto mit Kreuz!
Die Staatsregierung als Ein-Mann-Betrieb ist mit Blick auf den 14. Oktober eine gewagte Strategie – gerade weil Söder so polarisiert: Seine Fans wählen ihn sowieso. Die Kritiker aber bräuchten starke Figuren, die die verschiedenen Flügel der CSU repräsentieren. Einen sparsamen Finanzminister, eine mitfühlende Sozialministerin, einen Fraktionschef, der den Regierungschef auch mal bremst. Wer einst mit Edmund Stoiber nicht warm wurde, konnte die Partei immer noch wegen Alois Glück oder Barbara Stamm wählen. In der CSU 2018 finden dagegen neben Söder nur noch Horst Seehofer und Alexander Dobrindt statt. Skeptiker dürfte dieses Angebot kaum überzeugen.
Mike Schier
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