Mit der Schulpolitik ist es wie mit dem Kölner Dom: Saniert wird immer. Kaum ist eine Baustelle abgeschlossen, schon gibt es Reparaturbedarf an anderer Stelle. Zwar ist der große Streit um das Gymnasium mit der Entscheidung für das G9 abgeräumt, doch es sind neue Konfliktfelder am Horizont sichtbar: Vor allem die plötzlich wieder steigenden Schülerzahlen, auf die der Lehrerverbands-Präsident Meidinger nicht ohne Grund energisch hinweist, werden der neuen Landesregierung viel abverlangen – zuallererst Geld.
Eltern werden (zu Recht) schnell äußerst ungehalten, wenn in der Schule etwas nicht stimmt. Das betrifft jetzt weniger das viel beschworene Schlagwort von der angeblich total dringlichen Digitalisierung der Schulen, die eine Heerschar angeblicher Experten in Dauerschleife beschwört. Nein, es geht um (vermeintlich banale) vernünftige Rahmenbedingungen. Einige Beispiele: Die Klassen dürfen nicht zu groß sein. Statt Unterricht in Containern abzuhalten, müssen Schulbauten schnell erweitert werden. Die Zahl der ausfallenden Stunden muss sinken. Und die Lehrer dürfen nicht so oft fehlen, wie es heute der Fall ist. Da gibt es genug zu tun. Der designierte neue Kultusminister Michael Piazolo hat vor der Wahl mit einigen Vorschlägen, zum Beispiel einer „Unterrichtsgarantie“, doch recht vollmundige Versprechungen gemacht, an denen man ihn künftig messen darf.
Dirk.Walter@ovb.net