Lübeck – Vor der ersten Vorstellungskonferenz mit den Kandidaten für den CDU-Vorsitz hat sich Jens Spahn deutlich von seinen Mitbewerbern abgesetzt. „Wir brauchen einen echten Neustart“, sagte der 38-jährige Gesundheitsminister dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Mit einem Generationenwechsel und einem neuen, offeneren Debattenstil.“
Seiner Mitbewerberin Kramp-Karrenbauer warf Spahn eine rückwärtsgewandte Gesellschaftspolitik vor. „Ich habe aus voller Überzeugung für die Öffnung der Ehe gestimmt“, sagte der mit einem Mann verheiratete Spahn. Wenn seine Ehe „in einem Atemzug mit Inzest oder Polygamie genannt wird, trifft mich das persönlich“. Kramp-Karrenbauer hatte 2015 als saarländische Ministerpräsidentin gesagt, es gebe bisher eine klare Definition der Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau: „Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen.“
Mitbewerber Friedrich Merz sagte der „Bild“-Zeitung, er halte die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare für richtig. Er hätte sich aber eine intensivere Debatte und eine Grundgesetzänderung gewünscht.
In dem Interview, in dem auch Leserfragen gestellt wurden, hatte Merz zunächst auf die Frage, ob er zur reichen Oberschicht zähle, geantwortet: „Also, ich würde mich zu der gehobenen Mittelschicht zählen.“ Auf eine weitere Frage zum möglichen Millionenvermögen sagte er widerwillig: „Ich liege jedenfalls nicht darunter.“
Der Jurist arbeitet seit 2005 im Düsseldorfer Büro der international tätigen Kanzlei Mayer Brown. Merz berät dort nach Angaben der Kanzlei Unternehmen bei Fusionen. Zu seinen Mandanten zählen zahlreiche Dax-Unternehmen und internationale Konzerne. Seit Frühjahr 2016 führt er zudem den Aufsichtsrat der Deutschland-Tochter des US-Investment-riesen Blackrock. Mit zuletzt rund 6,4 Billionen Dollar (etwa 5,7 Billionen Euro) an Anlegergeldern ist Blackrock der größte Vermögensverwalter der Welt.
Spahn, der frühere Unionsfraktionschef Merz und CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer kandidieren auf dem CDU-Parteitag im Dezember für die Nachfolge von Parteichefin Angela Merkel. Am heutigen Donnerstag wird in Lübeck die erste von insgesamt acht Regionalkonferenzen abgehalten, auf denen sich die drei Kandidaten den Mitgliedern vorstellen.