München – Schon im Wahlkampf war ihm das Thema besonders wichtig, jetzt will der neue Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) den Startschuss für eine neue Energiepolitik geben. Am Vormittag lädt er zu einem Energiegipfel, von dem „der Start für eine neue Begeisterung“ zur Energiewende ausgehen soll.
Derzeit mutet die Lage einigermaßen ernüchternd an. 2022 gehen die bayerischen Kernkraftwerke vom Netz, die immer noch 37 Prozent des Stroms im Freistaat liefern. Gleichzeitig berät die Kohlekommission über den Abschied von der Braunkohle. „Der Ausstieg aus Kernenergie und Kohle ist richtig, stellt unsere Stromversorgung aber auch vor gewaltige Herausforderungen“, warnte Aiwanger im Gespräch mit unserer Zeitung. Bayern sei besonders betroffen: „Der Süden verliert einen Großteil seiner Energieerzeugung.“
Die Versorgungssicherheit ist deshalb einer der zentralen Punkte für die heutigen Gespräche. Deutschland brauche ein Gesamtkonzept, eine Energiewende 2.0. „Die verschiedenen Ziele passen nicht zusammen und scheinbar inkompatible Einzelanstrengungen stehen unverknüpft nebeneinander“, so der Minister.
Das Problem: Die erneuerbaren Energien werden vor allem durch Windkraftanlagen aus Norddeutschland gewonnen. Nur wie kommt der Strom in den Süden? „Keine der angekündigten Trassen wird auch nur ansatzweise bis 2022 realisiert sein“, warnt Aiwanger, wobei Verzögerungen durch zu erwartende Bürgerproteste nicht einmal eingerechnet seien. Ohne den Zubau von Gaskraftwerken in Süddeutschland sei die Versorgungssicherheit deshalb nicht zu gewährleisten. Das habe man bereits bei Bundeskanzlerin Angela Merkel eingefordert.
Gleichzeitig will Aiwanger selbst aktiv werden. „Wir müssen so viel Energie wie möglich im Freistaat produzieren.“ Der Minister setzt klar auf Erneuerbare: Photovoltaik, Wind, Wasserkraft, Biomasse, Geothermie. Da diese Stromquellen nicht immer dann liefern, wenn Energie gebraucht wird, müsse man den Blick verstärkt auf Speichertechnologie richten.
„Wir müssen die Menschen in der Energiewende wieder mitnehmen“, lautet Aiwangers Credo. Der breit angelegte Energiegipfel soll dazu der Auftakt sein. mik/cd