Terror in Straßburg

Radikalisierung im Knast

von Redaktion

MIKE SCHIER

Europa verlebte einen relativ ruhigen Sommer – mit den Morden von Straßburg ist das Gefühl der Unsicherheit zurück. Wieder einmal wird der offenen Gesellschaft schmerzlich vor Augen geführt, dass es keinen hundertprozentigen Schutz gibt. Wieder herrscht Wut, da der Mörder als Gefährder und Straftäter bekannt war. Am Dienstagmorgen sollte er festgenommen werden. Weil die Polizei den gebürtigen Straßburger nicht in seiner Wohnung vorfand, konnte er abends als selbst ernannter Gotteskrieger sein teuflisches Werk vollbringen.

Bei aller Wut: Insgesamt haben die Behörden in der Bekämpfung von Terroristen in den vergangenen Monaten sehr wohl Fortschritte gemacht. Doch mit jeder schrecklichen Tat ergeben sich neue Ansatzpunkte für die Behörden, um nach Lücken im System zu suchen. Die merkwürdige Karriere des mutmaßlichen Täters vom geldgierigen Einbrecher zum Terroristen wirft das Licht auf ein oft vergessenes Feld: die Radikalisierung in Gefängnissen. Im Knast sitzen viele labile, zu Gewalt neigende Persönlichkeiten, die für hochgradig ideologisierte Islamisten relativ leichte Beute sind. In Bayern gibt es seit 2015 eine eigene Stelle, die Maßnahmen gegen Islamismus und Salafismus in Gefängnissen koordiniert. Das sollte überall Schule machen.

Mike.Schier@ovb.net

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