Die Angst der Deutschen lässt wieder nach

von Redaktion

Sorgen wegen Terror und Verbrechen nehmen laut einer Studie ab – Unsicherheitsgefühl aber stärker als vor fünf Jahren

Berlin – Die Deutschen fühlen sich hierzulande wieder sicherer als noch vor wenigen Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Berliner „Centrum für Strategie und höhere Führung“ in Auftrag gegeben hat. Der „Sorgenpegel der Bevölkerung“, etwa in Bezug auf Terror, Diebstahl oder Einkommensverluste, habe sich seit 2016 „steil zurückgebildet“, sagte Renate Köcher vom Allensbach-Institut bei der Vorstellung des „Sicherheitsreports 2019“ in Berlin.

Besonders deutlich zurückgegangen ist die Angst vor Terror. Gaben 2016 noch 45 Prozent der Befragten an, in großer Sorge zu sein, waren es bei der aktuellen Befragung noch 28 Prozent (siehe Grafik). Köcher betonte aber, diese Gefühle seien „volatil“. Nach einem großen Anschlag könne die Sache schon wieder ganz anders aussehen. Gleiches gelte etwa mit Blick auf die Ängste vor kriminellen Flüchtlingen und Schwierigkeiten bei deren Integration. Momentan hat sich auch hier die Stimmung deutlich entspannt.

Auch die wirtschaftlichen Sorgen der Menschen nehmen seit 2013 kontinuierlich ab, mit Ausnahme von Inflationsängsten. Am ehesten fühlen sie sich von Pflegebedürftigkeit im Alter und Demenz bedroht – 40 Prozent gaben an, große Sorgen davor zu haben. Etwas mehr als jeder Dritte sieht sich auch von Altersarmut und Krankheiten wie Krebs bedroht. Entsprechend will eine klare Mehrheit der 1249 Befragten, dass der Staat hier Geld ausgibt – konkret fürs Gesundheitswesen (70 Prozent), für die Unterstützung von Familien (69 Prozent) und für Renten (65 Prozent). Auch im Bereich Bildung wollen drei von vier Menschen eine bessere Ausstattung von Schulen.

Trotz der positiveren Stimmungslage fühlt sich jeder fünfte Bundesbürger laut Studie in Deutschland nicht sicher. Das persönliche Umfeld schätzt sogar jeder Dritte als unsicherer ein als vor fünf Jahren. Dabei ist nicht nur der Unterschied zwischen West und Ost (hier in das Unsicherheitsgefühl größer), sondern auch der zwischen den Ländern bemerkenswert. In Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg fühlen sich die Menschen am sichersten – in den Stadtstaaten und dem Saarland gaben indes 36 Prozent an, sich unsicher zu fühlen.

Insgesamt bewerten die Bundesbürger ihre persönliche Lage positiver als die Entwicklung der Gesellschaft insgesamt. „Diese Kluft wird immer auffälliger“, sagte Allensbach-Expertin Köcher. Die Sorgen reichen von einer weiteren Spaltung der Gesellschaft über Pflegekräftemangel bis zum Klimawandel. Mehr als zwei Drittel fürchten, dass die Lage in der Welt unberechenbarer wird.

Überraschend einig sind sich die Menschen darüber, wer die größte Gefahr für den Weltfrieden darstellt: nämlich die USA. 56 Prozent der Befragten sind dieser Meinung, gleich danach kommen Nordkorea (45 prozent), die Türkei (42 Prozent) und Russland (41 Prozent). Wobei die Ostdeutschen die USA als bedrohlicher wahrnehmen als die Westdeutschen. Bei Russland ist es umgekehrt.

Der Befund dürfte den Transatlantikern hierzulande zu denken geben, zumal erst vor wenigen Tagen eine Studie der Atlantik-Brücke zu einem ähnlichen Ergebnis kam. Sie fragte nach dem deutsch-amerikanischen Verhältnis. Das ernüchternde Ergebnis: 84,6 Prozent der Bürger halten es für negativ bis sehr negativ.  dpa/mmä

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