Es hat sich etwas verändert in der Abgas-Debatte: Vor wenigen Monaten war, wer Grenzwerte und die entsprechenden Messmethoden infrage stellte, eine Art Ketzer. Er bekam es rasch mit einer Phalanx von Hütern der reinen ökologischen Lehre zu tun. Endlich aber mischen sich Zwischentöne in die ideologisch aufgeladene Debatte zwischen vermeintlich Gut und angeblich Böse.
Richter urteilen nicht mehr einfach nach Aktenlage im Sinn der „Deutschen Umwelthilfe“. Sie fragen nach. Ärzte, die Zweifel an den angeblich verheerenden Auswirkungen von geringen Stickoxid-Konzentrationen in der Atemluft äußern, werden zwar angefeindet. Aber ihre Argumente werden wahrgenommen. Und die EU-Kommission, die die umstrittenen Grenzwerte absenken wollte, akzeptiert nun eine De-facto-Aufweichung, mit der die Bundesregierung Fahrverbote vermeiden will.
Man darf also hoffen. Auf eine Umweltschutz-Debatte, in der die Vertreter unterschiedlicher Positionen nicht mehr übereinander urteilen, sondern ihre unterschiedlichen Argumente miteinander austauschen. Fortschritt kann nur im offenen Wettstreit von gegensätzlichen Ideen gedeihen. Dabei geht es nicht ums Recht haben, sondern ums Bessermachen.
Martin.Prem@ovb.net