München – Es ist wie so oft bei vermeintlich schönen Nachrichten: Das Ärgernis findet sich erst im Kleingedruckten. So geht es gerade auch der FDP. In Großbuchstaben steht da: Neuer Mitgliederrekord in Bayern. Inzwischen haben die Liberalen im Freistaat 6750 Mitglieder – so viele wie nie. Selbst die Austrittswelle der eher unschönen Regierungsjahre bis 2013 ist damit aufgefangen, im Vergleich zu 2015 wuchs die Zahl sogar um knapp 2000.
Und trotzdem liefert das Kleingedruckte einen schwierigen Arbeitsauftrag. 2018 waren unter den vielen tollen Neumitgliedern nur 18,45 Prozent Frauen, insgesamt liegt ihr Anteil damit nur noch bei 21 Prozent. In Zeiten, in denen über paritätisch besetzte Parlamente gesprochen wird, wächst sich das zum Problem aus. Bei ihrem Parteitag in zwei Wochen in Erlangen will sich die Partei deshalb neu ausrichten. „Faire Chancen für alle“ ist der entsprechende Antrag überschrieben. „Für die FDP ist das schon ein Kulturwandel“, sagt Landeschef Daniel Föst.
„Die Art und Weise, wie Partei- und Vereinsarbeit zumeist gestaltet sind – ortsgebunden, zu ungünstigen Zeiten und im Hinterzimmer –, stellt oft vor allem Familien und insbesondere Mütter vor Probleme“, heißt es in dem Papier. Inzwischen sei es im Beruf selbstverständlich, sich per Telefon- oder Videokonferenz zu besprechen. Parallel müsse man auch die Parteiarbeit mobiler und digitaler ausrichten. Dann hätten auch Jüngere, Pendler oder Gründer mehr Gelegenheit, sich zu engagieren.
Klar ist: Auf eine Frauenquote will die Partei weiter verzichten. Trotzdem soll sich die Anzahl der Funktionsträgerinnen innerhalb der nächsten zwei Jahre auf mindestens ein Drittel erhöhen. Auch bei Wahlen soll mindestens ein Drittel der Listenplätze mit Frauen besetzt werden – auf den ersten beiden Listenplätzen für Bundestags- und Landtagswahlen sollen je ein Mann und eine Frau antreten.
Um mehr Frauen anzusprechen, will man sich auch thematisch breiter aufstellen. Der Leitantrag trägt deshalb den Titel „Umweltschutz ist Bürgerrecht“. Bislang war die FDP nicht als Sammelbecken für Naturschützer aufgefallen – auch wenn Föst selbst das natürlich nie so formulieren würde. „Wir müssen inhaltliche Flanken schließen“, sagt er nur. Man müsse anerkennen, dass das Bienen-Volksbegehren das erfolgreichste Begehren war, das es je gab – „auch wenn viele Unterzeichner wohl gar nicht wussten, was wirklich drin steht“. Dennoch klingt der Leitantrag nicht nach einem verkappten Grünen-Programm: Fahrverbote in den Innenstädten werden beispielsweise klar abgelehnt. Immerhin: Wohl selten hat sich die Partei so intensiv mit Biodiversität, Artenvielfalt oder Fischpopulation beschäftigt. „Wir werden jetzt nicht zu Öko-Faschisten, müssen aber als Partei aufpassen, dass wir einen guten Mix anbieten“, sagt Föst.
Neben der Öko-Theorie muss die FDP aber auch ganz praktisch den Kommunalwahlkampf 2020 vorbereiten. „Wir merken leider öfter, dass uns die kommunale Basis fehlt – gerade auf dem Land“, sagt der Landeschef. Deswegen bekommen die Kandidaten diesmal so viel Unterstützung wie nie – sowohl organisatorisch als auch finanziell. OB-Kandidaten, die es in eine Stichwahl schaffen, können sogar mit einer Unterstützung von 10 000 Euro rechnen. MIKE SCHIER