Tel Aviv/Gaza – Kurz vor Beginn der islamischen Fastenzeit hat sich die Gewalt zwischen militanten Palästinenserorganisationen im Gazastreifen und Israel erneut gefährlich hochgeschaukelt. Mindestens drei Israelis wurden am Sonntag bei massiven Raketenangriffen aus Gaza getötet, wie das Barzilai-Krankenhaus in der Küstenstadt Aschkelon mitteilte. Mehr als hundert wurden verletzt. Es sind die ersten zivilen israelischen Todesopfer durch Raketenbeschuss seit dem Gaza-Krieg 2014.
Seit Samstag feuerten militante Palästinenser Hunderte Raketen auf israelische Ortschaften ab. Viele Raketen wurden von der israelischen Abwehr abgefangen. Israels Luftwaffe bombardierte als Reaktion auf die Angriffe mehr als 220 Ziele in dem Küstenstreifen. Dabei wurden nach Angaben des Gesundheitsministerium in Gaza vom Sonntag fünf Palästinenser getötet. Damit stieg die Zahl der seit Samstag im Gazastreifen getöteten Palästinenser auf elf; 80 wurden verletzt.
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte am Sonntag vor einer Dringlichkeitssitzung: „Ich habe die Armee heute Morgen angewiesen, die massiven Angriffe auf Terrorziele im Gazastreifen fortzusetzen und die Streitkräfte am Rande des Gazastreifens mit Panzer-, Artillerie- und Infanterietruppen zu verstärken.“ Die Hamas trage die Verantwortung für alle Angriffe und zahle bereits einen hohen Preis dafür.
Die Eskalation erfolgt nur eine Woche vor dem internationalen Gesangswettbewerb Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv. Zunächst blieb die Stadt von der jüngsten Runde der Gewalt verschont. Militante Palästinenserorganisationen drohten mit einer Ausweitung der Angriffe. Ägypten bemühte sich um eine Waffenruhe.
Die USA verurteilten „den Schwall von Raketenangriffen der Hamas und des palästinensischen Islamischen Dschihads von Gaza auf unschuldige Zivilisten und ihre Gemeinden in Israel“. Jordanien forderte dagegen ein sofortiges Ende der „israelischen Aggression“ gegen Gaza. Die Gewalt führe nur zu größeren Spannungen und mehr Leiden, erklärte das Außenministerium in Amman. Die Türkei rief „die internationale Gemeinschaft dazu auf, rasch einzuschreiten, um Spannungen in der Region abzubauen, die mit Israels unverhältnismäßigem Vorgehen gestiegen sind.“
Die Gewalt eskalierte, nachdem es am Freitag an der Gaza-Grenze bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten Tote gegeben hatte. Vier Palästinenser wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza getötet. Palästinenserfraktionen kündigten daraufhin Rache an.