Städte sollen zu Natur-Oasen werden

von Redaktion

Bundesregierung beschließt Masterplan – Fördermittel neu justiert – Schutz für Kleingärtner

Berlin – Draußen auf dem Lande sterben die Bienen – aber in der Stadt leben sie. Weil es dort eine Menge kleine Grünflächen gibt, die ökologisch deutlich vielfältiger sind als die Monokulturen der Agrarwirtschaft. Und das gilt nicht nur für Insekten. Die Bundesregierung will jetzt die Natur in den Städten stärker fördern – was auch für Kleingärtner eine gute Nachricht ist.

Im Kabinett wurde ein „Masterplan Stadtnatur“ beschlossen, für den man sich zunächst allerdings noch nicht viel kaufen kann. Er besteht aus 26 Absichtserklärungen und Prüfaufträgen. Mehr Geld steht für naturnahe Stadtgestaltung nicht zur Verfügung. Trotzdem könnte das Werk einiges verändern. Es sollen nämlich alle einschlägigen Förderprogramme des Bundes darauf überprüft und nachjustiert werden, ob sie dem Ziel dienen, in den Kommunen naturnahe Oasen zu schaffen. Das soll „Förderschwerpunkt“ werden, in der Hierarchie also nach oben rücken.

Wenn das funktioniert, werden Kommunen für Quartierssanierung, städtebauliche Entwicklung oder Naherholungsgebiete leichter Unterstützung bekommen, wenn sie Flächen entsiegeln oder Wildgraswiesen anpflanzen. Auch Sportvereine oder Schulen können für solche Projekte Gelder beantragen. Zudem will der Bund bei seinen eigenen Flächen vorangehen. Das gilt für neue Gebäude und die Bewirtschaftung alter Anlagen.

Wie zum Beweis wurde der Masterplan im Hof des Umweltbundesamtes präsentiert, wo eine Wildwiese wuchert. „Die ist auch viel praktischer und günstiger, denn sie muss nur einmal im Jahr gemäht werden“, sagte Umweltstaatssekretär Florian Pronold (SPD). Mitten in der Wiese stehen drei „Insektenhotels“. Das alles direkt im Stadtzentrum von Berlin. Die Hauptstadt hat ohnehin ein reges urbanes Naturleben: 20 000 Tier- und Pflanzenarten wurden hier gezählt, darunter auch viele vom Aussterben bedrohte. Vor dem Kanzleramt streunen regelmäßig Füchse.

Neben der nun beabsichtigten Anpassung zahlreicher Förderprogramme ist an dem Masterplan vor allem die politische Botschaft wichtig. Auf sie dürften sich in kommunalpolitischen Debatten noch viele berufen, etwa Kleingärtner, die in den Großstädten häufig für Wohnbebauung weichen sollen. „Wir wollen nicht an Kleingärten ran“, sagte Pronold. Die seien oft ökologisch bedeutend. Der Wohnungsmangel müsse durch Verdichtung auf Baulücken und Brachen gelöst werden.

Auswirkungen haben die Leitlinien auch auf die künftige Gestaltung etwa von Parkflächen. Entsiegelung ist hier die Vorgabe. Das auch, weil wegen der Klimakrise häufigere Starkregen erwartet werden. Bei der Fassadendämmung soll künftig auch an Gebäudebrüter wie Schwalben, Fledermäuse oder Hornissen gedacht werden; die Gebäudesanierungsprogramme werden entsprechend umgestaltet. Und die Gartenbaubetriebe der Städte sollten sich daran gewöhnen, nicht jede Rasenfläche zentimeterkurz zu mähen. Pronold: „Da muss in vielen Köpfen ein Umdenkungsprozess stattfinden.“ Auch bei den privaten Hauseigentümern. Den modern gewordenen „Gärten des Grauens“, die im Wesentlichen aus Schotter und Steinen bestehen, müsse Einhalt geboten werden, sagte Pronold. W. KOLHOFF

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