Pfingsten 2019

Die Gläubigen emanzipieren sich

von Redaktion

CLAUDIA MÖLLERS

Pfingsten gilt als Gründungsfest der Kirche. Das Sprachenwunder, von dem die Bibel berichtet, wird als Zeichen dafür gesehen, dass die Botschaft von allen verstanden wird und sich auf der ganzen Welt verbreiten soll. Mehr als 2000 Jahre später ist das Christentum Weltreligion. Aber die katholische Kirche macht eine ihrer schwersten Zeiten durch.

Nicht nur, dass als eine Folge der Globalisierung und Digitalisierung die alten Gewissheiten und die traditionellen Formen und Formeln wie auch die bisherigen Autoritäten und Gefüge infrage gestellt werden. Der Missbrauchsskandal hat in der römisch-katholischen Welt Diskussionen in Gang gesetzt, die die ganze Kirche verändern werden – und müssen!

Schwierige Zeiten für ein Gebilde, das doch mehr ist als eine Institution. Weit mehr als ein Apparat, der aus dem Papst, dem Vatikan, den Kardinälen, Bischöfen und Priestern besteht. Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen. Es sind die Menschen in den Gemeinden, die den Glauben sichtbar mit Leben erfüllen. Die aus dem Glauben heraus leben, arbeiten, Hilfsbedürftigen zur Seite stehen, ihre Überzeugungen weitergeben an ihre Kinder. Es sind die Menschen in den Gemeinden, auf die es in Zukunft ankommt – egal, wie reformwillig oder unwillig sich Bischofskonferenzen, Kurie oder Papst erweisen werden.

Die katholische Kirche erlebt eine Form von Emanzipation und Ermächtigung der Gläubigen, die vieles verändern wird. Diesem Prozess können sich auch die Institutionen nicht entziehen. Der Bibel zufolge hat der Geist Gottes das Pfingstwunder bewirkt. Nicht im verschlossenen Raum für den exklusiven Kreis der Apostel. Sondern für alle in Jerusalem. Veränderungen können neue Begeisterung entfachen. Welch eine Chance!

Claudia.Moellers@ovb.net

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