Partei im freien Fall

Die Zerstörung der CDU

von Redaktion

VON GEORG ANASTASIADIS

Als die CSU im Sommer 2018 die Flüchtlingspolitik in den Mittelpunkt ihrer Landtagswahlkampagne rückte, fehlte es nicht an Ermahnungen aus der Schwesterpartei CDU, nur ja nicht die AfD zu kopieren – weil die Leute am Ende ja doch das Original wählten. Das Schauspiel wiederholt sich jetzt, nur umgekehrt: Besorgt beobachtet die CSU, wie behende die CDU den Grünen in der Klimapolitik hinterhereilt. Angela Merkel entdeckt tief in sich die Klimakanzlerin wieder und sagt jetzt, es dürfe bei diesem Thema „kein Pillepalle mehr geben“. „Disruptive Veränderungen“ seien nötig. Sprich neue CO2-Steuern für alle? Man wundert sich: Von Annegret Kramp-Karrenbauer haben wir bisher stets das Gegenteil vernommen.

Die Panik der CDU über ihren freien Fall in den Umfragen ist berechtigt: Erst hat sie mit ihrer Asylpolitik ihre konservativen Wähler zur AfD getrieben, jetzt erlebt sie den Exodus der Friday-for-Future-Fraktion zu den Grünen. Und je verzweifelter sie sich den Klimaschützern anzubiedern versucht, desto mehr profitiert die Ökopartei. Doch nicht der Kanzlerin, in deren Regierungszeit die Wähler in Scharen flüchten, wird die Misere angelastet. Sondern ihrer Wunschnachfolgerin Kramp-Karrenbauer. Sie strampelt sich in der von Merkel verfügten Ämterteilung ab, ohne wirklich was bewegen zu können; im Glanz der großen internationalen Auftritte sonnt sich nur die Kanzlerin.

Für Kramp-Karrenbauer ist es nur noch ein Katzensprung von der Kronprinzessin zu Merkels letztem Opfer. Ihr Absturz in den Beliebtheitswerten ist in seiner Dramatik nur vergleichbar mit dem Untergang der SPD-Lichtgestalt Martin Schulz. Es wird wohl nicht die Saarländerin sein, die künftig die Richtlinien der deutschen Politik bestimmt – selbst dann nicht, falls die Grünen in die Verlegenheit kämen, CDU und CSU als Koalitionspartner zu benötigen, weil es mit SPD und Ex-Kommunisten knapp nicht reicht.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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