Maas’ Iran-Reise

Mission Selbstbehauptung

von Redaktion

MARCUS MÄCKLER

Heiko Maas hatte noch keinen Fuß in den Flieger gesetzt, da sprachen manche schon von einer „Mission impossible“. Den todgeweihten Iran-Deal im Alleingang retten zu wollen, also bitte … Es stimmt ja: Die großen Gegenspieler haben das Abkommen schon gekündigt (USA) oder drohen angesichts der harten US-Sanktionen damit (Iran). Und Maas hatte außer dem Versprechen, sich weiter an den Deal zu halten, kaum etwas anzubieten.

Dennoch war seine Reise wichtig, aus zwei Gründen. Erstens ist das Abkommen nicht tot, solange es noch nicht begraben ist. Abgesehen von den USA und Israel halten es die Vertragspartner sicher nicht für perfekt, aber für besser als kein Abkommen. Immerhin hält es den Iran nachweislich davon ab, Atombomben zu bauen. Zweitens zeigte Maas, dass Europa sich im Spiel der Mächte nicht einfach zerreiben lässt. Einfacher wäre es sicher, einzuknicken und Donald Trumps Sanktions-Poker mitzuspielen. Aber so wäre bewiesen, was viele in Washington denken: dass Europa außenpolitisch nicht ernstzunehmen ist.

Maas‘ Reise war ein nötiger Akt der Selbstbehauptung, der noch stärker gewesen wäre, hätten ihn seine Amtskollegen aus Paris und London begleitet. Aber das Signal ist angekommen: Der Weg ist Diplomatie, nicht Eskalation – auch wenn die Lage aussichtslos erscheint.

Marcus.Maeckler@ovb.net

Artikel 1 von 11