Benedikt macht Mut

von Redaktion

Emeritierter Papst mahnt zur Einheit und zerstreut Gerüchte

Vatikanstadt – Auf einer Bank unter den schattigen Pinien der vatikanischen Gärten sitzt ein zerbrechlicher, von seinen 92 Jahren gebeugter Mann in weißem Talar. Die fast 40 Grad scheinen ihm wenig anzuhaben. Der heiße Sommerwind zerzaust sein schlohweißes Haar. Sein Blick ist wach, er lächelt sanft. Bilder sprechen mehr als tausend Worte. Allein durch seine physische und geistige Präsenz zerstreut Benedikt XVI. Gerüchte, die noch vor zehn Tagen durch die Medien geisterten: Er habe einen Schlaganfall erlitten, liege gar im Sterben. Dabei war es nur niedriger Blutdruck, beruhigt Georg Gänswein, Privatsekretär des emeritierten Papstes, die besorgten Gemüter.

In einem seltenen Interview mit dem „Corriere della Sera“ macht Josef Ratzinger seiner von Skandalen und Krisen gebeutelten Kirche Mut: „Die Einheit der Kirche war stets in Gefahr. Während ihrer gesamten Geschichte. Kriege, interne Konflikte, politischer Druck, Schismen. Am Ende hat immer der Geist der Einheit obsiegt. Aus inneren Kämpfen ist sie sogar gestärkt hervorgegangen.“

Immer wieder wird im Vatikan kolportiert, Prälaten, Bischöfe und Kardinäle, die mit der Amtsführung von Papst Franziskus unzufrieden seien, blickten auf Benedikt XVI. als eine Art „spirituellen Führer der Kirche“. Doch der habe sich niemals manipulieren lassen. Einer Delegation, die sich bei ihm über den amtierenden Papst beschwerte, habe er gar die Tür gewiesen. Auch diesmal bekräftigt er: „Es gibt nur einen einzigen Papst, und das ist Franziskus. Punkt.“ Seine Stimme mag schwach sein, doch sein Verstand funktioniert glasklar, resümiert die Zeitung. Über das Geschehen innerhalb des Vatikans und der Weltkirche sei er genau informiert, mit Franziskus tausche er sich regelmäßig aus.  mf

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