ALEXANDER WEBER
Wenn man den ganzen Aufwand und Rummel rund um den G20-Gipfel im japanischen Osaka betrachtet, denkt man wehmütig an die Ursprünge dieses Forums zurück. An den Geist, der 1975 Pate stand, als der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt und Frankreichs Präsident Valéry Giscard d’Estaing den G6-Gipfel ins Leben riefen. Die Staats- und Regierungschefs der USA, Frankreichs, Großbritanniens, Deutschlands, Italiens und Japans trafen sich damals im kleinen Schloss Rambouillet bei Paris, begleitet nur von ihren Außen- und Finanzministern, um in heimeliger Kaminfeueratmosphäre, wie Schmidt das Treffen beschrieb, und abgeschottet von der Öffentlichkeit über die großen Probleme der Weltwirtschaft zu diskutieren. Den Standpunkt des anderen besser kennenzulernen, Vertrauen zu schaffen und die Überzeugung zu schärfen, dass kein Land der Welt mit protektionistischen Alleingängen erfolgreich sein kann.
Die Welt von heute, die noch viel enger vernetzt ist als in der Ära Schmidt, könnte diesen Geist von Rambouillet mehr gebrauchen denn je: Handelskrieg zwischen Amerika und China, Kriegsgefahr im Nahen Osten, die globalen Herausforderungen des Klimawandels und die Schwindsüchtigkeit des einst ehernen Prinzips „Pacta sunt servanda“ (sei es die Kündigungsmanie Donald Trumps bei internationalen Abkommen vom Pariser Klimavertrag bis zum Atomabkommen mit Iran oder der Völkerrechtsbruch Wladimir Putins im Fall Ukraine/Krim) – das Weltgeschehen schreit geradezu nach Rückkehr zu verlässlichen Regeln. Und nicht nach Gipfel-Gigantomanie und Politiker-Selbstdarstellung.
Alexander.Weber@ovb.net