Schmidt fiel hundertmal in Ohnmacht

von Redaktion

Kanzler-Krankheiten: Willy, steh auf, wir müssen regieren!

Bonn/Berlin – Kanzlerschaft und Krankheit – das war schon immer ein Tabu-Thema. So war viele Jahre unbekannt, dass Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) regelmäßig in Ohnmacht gefallen war. Lediglich eine „Infektion“ wollte der Regierungssprecher einräumen, wenn der Kanzler herzkrank daniederlag. Er sei vermutlich annähernd hundertmal bewusstlos geworden, sagte Schmidt viele Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt selbst einmal auf einer Veranstaltung der „Zeit“. Das habe ihn aber nicht davon abgehalten, „seine politische Pflicht zu tun“. Mit seinem inzwischen fünften Herzschrittmacher sei er zufrieden, so der damals 95-jährige Hanseat, der sei „viel brauchbarer“ als der erste, den er in der Zeit während seiner Kanzlerschaft erhielt. Als der „Spiegel“ 1981 die Herzschwäche des Regierungschefs auf den Titel setzte, war das ein echter Aufreger.

Schon bei seinem Vorgänger Willy Brandt war die Gesundheit vor allem in der zweiten Amtszeit im internen Umfeld ein Dauerthema. Erschöpft vom Regierungsstress nahm sich Brandt immer öfter Auszeiten, weil ihn schwere Depressionen plagten. Sein Amtschef Horst Ehmke ging dann nach Tagen mit einer Flasche Rotwein in dessen Schlafzimmer, um ihn zu aktivieren: „Willy, aufstehen, wir müssen regieren“, soll er dem Kanzler gesagt haben.

Auch Bundeskanzler Helmut Kohl wusste seine Krankheit zu verbergen. Auf dem Putschparteitag der CDU in Bremen im September 1989, als Rita Süßmuth, Heiner Geißler und Lothar Späth den Pfälzer als Parteichef stürzen wollten, saß Kohl eisern auf dem Podium. Was niemand wusste: Er hätte eigentlich sofort an der Prostata operierte werden sollen. Stattdessen harrte er mit Katheter und höllischen Schmerzen aus – und gewann den politischen Machtkampf. A. WEBER

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