FRIEDEMANN DIEDERICHS
Nur „Händeschütteln und Hallo sagen“ wollte Donald Trump eigenen Worten zufolge beim historischen Treffen mit Diktator Kim Jong Un auf nordkoreanischem Boden. Diese Formulierung zeigt, wie weit der US-Präsident insgeheim die Erwartungen nach den Gipfeln von Singapur und Hanoi zurückgeschraubt hat. Bei diesen Terminen fiel immer wieder das magische Wort „Denuklearisierung“, doch reale Fortschritte in diese Richtung hat es seitdem nicht gegeben. Stattdessen erfuhr Kim eine massive persönliche Aufwertung. Ohne besondere Vorleistungen. Der Despot, der weiter seine Untertanen brutal unterdrückt, kann damit renommieren, auf Augenhöhe mit dem Präsidenten jener Weltmacht zu stehen, die schon sein Vater erfolgreich immer wieder mit gebrochenen Zusagen an der Nase herumgeführt hat.
Natürlich: Es ist besser, miteinander zu reden anstatt militärisch gegeneinander vorzugehen. Doch irgendwann kommt der Punkt, wo schöne Bilder eben nicht mehr sind als das, was die beiden Worte besagen. Diplomatie ohne wirkliche Annäherung kann Realpolitik nicht ersetzen. Doch Trump, der davon träumt, durch Wirtschaftshilfen Nordkorea großartig zu machen, will Kim nun zügig im Weißen Haus empfangen. Auch das wäre für Nordkorea „historisch“. Irgendwann nutzt sich auch dieser viel bemühte Begriff aber ab, wenn nicht nachprüfbare Schritte in Richtung atomare Abrüstung erfolgen. Die Showmänner Trump und Kim müssen endlich liefern.
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