Die Regensburger Organisation Sea-Eye erreicht heute mit ihrem Schiff das Einsatzgebiet vor der libyschen Küste. Gorden Isler, Vorstand und Einsatzleiter an Bord, berichtet, wie sich die Crew darauf vorbereitet, eventuell in eine ähnliche Situation wie die Sea-Watch 3 zu geraten.
Wie werden Sie sich verhalten, wenn Sie mit Geretteten an Bord in keinem europäischen Hafen anlegen dürfen?
Einen Masterplan können wir nicht haben, das hängt sehr von der Situation ab, in der wir sein werden, wenn wir Menschen an Bord haben. Wir gehen aber davon aus, dass wir in einer etwas anderen Lage wie die Sea-Watch 3 sind. Denn wir fahren unter deutscher Flagge. Ich rechne damit, dass uns Deutschland stärker unterstützen würde, als es die Niederlande bei der Sea-Watch 3 getan haben. Bei unseren letzten beiden Missionen war es so.
Sind Sie, der Kapitän und die Crew besorgt, dass Sie ebenfalls verhaftet werden könnten?
Wir sind besorgt um das Schicksal von Carola Rackete. Und wir sind wütend, dass die EU-Staaten die Situation soweit eskalieren lassen, dass Kapitäne mit dem Rücken zur Wand stehen und den Notstand ausrufen müssen, um für die Sicherheit der Menschen an Bord zu sorgen.
Wäre der Sea-Eye-Kapitän auch dazu bereit, sich verhaften zu lassen, wenn die Situation eskaliert?
Wir hoffen, dass wir nicht in dieselbe Situation kommen wie die Sea-Watch 3. Wenn uns Italien abweist, würden wir uns wohl an ein anderes EU-Land wenden. Unser Kapitän ist auch dadurch geschützt, weil er Arbeitnehmer ist und damit weisungsgebunden. Das ist eine wichtige Voraussetzung unserer Flagge. Wir werden uns als Verein immer schützend vor unsere Kapitäne stellen.
Sind Sie mit der Sea-Watch-Crew in Kontakt?
Wir haben Sea-Watch unsere Solidarität ausgesprochen. Mehr können wir momentan nicht nun. Außer uns nicht einschüchtern zu lassen und ins Einsatzgebiet zu fahren. Es ist jetzt wichtiger denn je, dass dort Schiffe sind, um den Menschen die grausame Migrationspolitik der EU vor Augen zu führen. Interview: Katrin Woitsch