Bisher verlief der Riss subkutan und er ließ sich unter größten Anstrengungen notdürftig kaschieren. Doch inzwischen wird der Machtkampf in der AfD immer sichtbarer. Nicht nur in Bayern stehen Gemäßigte gegen Radikale, überall in Deutschland wird deutlich, dass die „Alternative“ im Grunde aus zwei Parteien besteht. Dass das bayerische Schiedsgericht den völkisch-nationalen „Flügel“ nun offen als Konkurrenz bezeichnet, ist ein untrügliches Zeichen für eine bevorstehende Spaltung.
Das kommt nicht überraschend: Aus Angst um die Wählergunst (und vor dem Verfassungsschutz) drängt die Bundesspitze „Flügel“-Leute aus der Partei. Der „Flügel“ wiederum ätzt gegen die in seinen Augen zu Angepassten. In den Parlamenten, auch in Bayern, ist die AfD vornehmlich damit beschäftigt, die eigenen Widersprüche zuzukleistern. Und wer sich bei den Vertretern der jeweiligen Gruppen umhört, erfährt wenig Nettes über die jeweils anderen. So ein Konstrukt lässt sich auf Dauer nicht zusammenhalten. Die Frage ist bloß, wer überlebt.
Vieles spricht dafür, dass Thüringens AfD-Chef Björn Höcke seine Chance kommen sieht. Im September stehen Vorstandswahlen an, zwei von drei Landtagswahlen im Osten – Höckes Kernland – werden dann schon gelaufen sein. Mit guten Ergebnissen im Rücken hätte er starke Argumente dafür, als Parteichef anzutreten. Es wäre das Ende der Illusion von der bürgerlich-konservativen Partei.
Marcus.Maeckler@ovb.net