Berlin/Valletta – Die Ungewissheit auf dem deutschen Rettungsschiff „Alan Kurdi“ hat ein Ende: Malta hat sich am Sonntag bereit erklärt, die 65 Migranten von dort an Land zu lassen. Sie würden umgehend auf andere europäische Länder verteilt, gab die Regierung in Valletta nach Gesprächen mit der EU-Kommission und Deutschland bekannt. „Wir sind freudig überrascht“, sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler. Die Besatzung habe die erlösende Nachricht erst über Anrufe von Journalisten erhalten.
Die maltesischen Behörden teilten mit, außerdem sei eine Vereinbarung erzielt worden, dass EU-Länder die Hälfte von 58 Migranten aufnehmen werden, die von der maltesischen Marine aus dem Mittelmeer gerettet worden seien. Bundesinnenminister Horst Seehofer begrüßte, dass Malta den insgesamt 123 Migranten erlaubt hat, an Land zu gehen. „Auf Bitten von Malta sollen hiervon 94 Personen in andere Mitgliedstaaten verteilt werden. Im Geiste der europäischen Solidarität habe ich angeboten, dass wir uns hieran mit bis zu 40 Personen beteiligen“, teilte er am Sonntagabend über sein Ministerium mit. „Ich bin zufrieden, dass es gelungen ist, zügig eine Ausschiffung zu ermöglichen. Allerdings brauchen wir für diese Fälle jetzt schnell einen tragfähigen und funktionierenden Mechanismus. Daran müssen die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten mit Hochdruck arbeiten.“
Sea-Eye-Einsatzleiter Isler sagte, die Behörden Maltas hätten die Schiffsführung der „Alan Kurdi“ angewiesen, nach Gozo, der Nachbarinsel Maltas, zu fahren. „Das ist 50 Seemeilen entfernt und dauert etwa sieben Stunden.“ Dort wurden die Menschen am späten Abend auf See vom maltesischen Militär übernommen.
Die „Alan Kurdi“ war tagelang auf Irrfahrt auf dem Mittelmeer gewesen. Italien wollte die 65 von einem überfüllten Schlauchboot vor der libyschen Küste geretteten Menschen nicht an Land lassen. Auch Malta hatte sich zunächst gesperrt. An Bord spitzte sich die Lage unterdessen immer weiter zu.
„Drei der Geretteten sind in sehr schlechtem Zustand. Sie sind stark abgemagert und geschwächt und müssen dringend zur medizinischen Behandlung an Land gebracht werden“, sagte Isler. Zwei davon seien Minderjährige. Malta sagte dann zu, die drei an Land zu lassen.
Die Helfer an Bord von der Organisation Sea-Eye aus Regensburg hatten sich von den zwischenzeitlichen Schwierigkeiten nicht unterkriegen lassen. „Wenn sich europäische Länder zur Aufnahme der Menschen bereit erklären, werden die Behörden in Malta sie auch an Land lassen“, hatte Isler vorausgesagt. Er sollte recht behalten. An Bord fingen die Helfer schon mal mit der Integration der Migranten an: „Für die Geretteten gibt es erste Deutschstunden“, sagte Isler. Die Verständigung laufe überwiegend auf Englisch. Wer das noch nicht könne, für den würden ältere Migranten übersetzen.
Die „Alan Kurdi“ – benannt nach dem dreijährigen syrischen Flüchtlingsjungen, dessen Leiche im Spätsommer 2015 an einem Strand in der Türkei angespült wurde – ist ein 38 Meter langes früheres DDR-Forschungsschiff. Am Samstag hatte es vergeblich vor Lampedusa auf die Erlaubnis gewartet, in den Hafen der italienischen Mittelmeerinsel einlaufen zu dürfen. Daraufhin drehte das Schiff am späten Abend notgedrungen Richtung Malta ab.