Teheran – Der Iran hat gestern Uran auf über 4,5 Prozent angereichert und damit erneut gegen das internationale Atomabkommen verstoßen. Am Vormittag habe der Iran die Schwelle von 4,5 Prozent bei der Urananreicherung überschritten, meldete die halbamtliche Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf die iranische Atomenergiebehörde. Gemäß dem Atomabkommen von 2015 darf der Iran Uran maximal auf 3,67 Prozent anreichern. Die Führung in Teheran hatte zuvor bereits angekündigt, die Urananreicherung je nach Bedarf schrittweise auf bis zu 20 Prozent zu erhöhen. Ab einem Anreicherungsgrad von 90 Prozent kann das Material für Nuklearwaffen benutzt werden.
Mit dem schrittweisen Rückzug aus dem Atomabkommen erhöht der Iran nun den Druck auf die Europäer. Anfang Juni überschritt der Iran zunächst die zulässige Menge gering angereicherten Urans. Nun setzt er seine Drohung um, den Anreicherungsgrad über das erlaubte Maß zu erhöhen.
Die Europäer riefen Teheran zur Einhaltung des Atomabkommens auf und drohten mit Konsequenzen, wenn er nicht seine Verpflichtungen erfülle. Die iranische Regierung warnte die Europäer ihrerseits vor einer Eskalation im Streit um das internationale Atomabkommen. Sollten gewisse Vertragsparteien „seltsame Schritte“ ergreifen, werde der Iran „alle weiteren Etappen überspringen“ bei seinem Plan zur Ausweitung des Atomprogramms und direkt zur „letzten Etappe“ übergehen, warnte der iranische Außenamtssprecher Abbas Mussawi. Was dies bedeutet, führte er aber nicht aus.
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor gedroht, Iran solle besser vorsichtig sein, das Land mache viele „schlimme Dinge“. Teheran werde niemals Atomwaffen besitzen, so Trump.