Vielleicht sind Warnstreiks wie diese nur ein kleiner Vorgeschmack: In der Boomregion München, die immer weiter nach ganz Oberbayern ausstrahlt, wird es für einfache Berufstätige zunehmend schwierig, ein ganz normales Leben zu finanzieren. Wo Immobilien- und Mietpreise explodieren, wachsen bei Krankenschwestern, Polizisten oder U-Bahn- und Busfahrern Existenzängste: Wie lange kann ich mir hier das Leben noch leisten?
Der Frust wächst, das merkt man auch daran, wenn beim ersten MVG-Warnstreik gleich der U-Bahnverkehr komplett lahmgelegt wird. Ein langsames Eskalieren des Arbeitskampfes sieht anders aus. Man fragt sich, wie es aussieht, wenn die Auseinandersetzung ernst werden sollte. Die Fahrgäste haben am ersten Tag mit viel Verständnis reagiert – die S-Bahn fuhr ja, das Wetter war trocken, die Temperatur angenehm. Außerdem haben sie inzwischen Routine im Umgang mit Streiks. Doch gerade weil es inzwischen quasi jährlich zu größeren Ausfällen kommt, könnte die Stimmung auch recht rasch kippen.
Die Arbeitgeber allerdings stehen unter Druck: Der Ausbau des ÖPNV wird den Bedarf an Fahrern mittelfristig vergrößern. Doch schon jetzt können Stellen kaum noch besetzt werden, die Bayerische Regiobahn schränkt deshalb ihren Betrieb massiv ein. Die Streikenden befinden sich also in einer ziemlich guten Verhandlungsposition.
Mike.Schier@ovb.net