DIRK WALTER
Um das mal vorauszuschicken: Die 2. Stammstrecke für die S-Bahn in München wäre ein sinnvolles Projekt, höchst notwendig, um der Schiene im überlasteten Münchner Nahverkehr einen Schub zu verschaffen. Doch was sich Bund, Freistaat und Bahn hier leisten, ist atemberaubend. Das Synonym von „München 21“ (analog zu Stuttgart 21) liegt auf der Hand, aber man muss eher von München 31 sprechen – denn so lange, bis 2031, könnte es dauern, bis das Bauwerk fertig ist. Wenn überhaupt. Zum dritten Mal innerhalb von nur zwei Jahren gibt es nun eine gravierende Änderung der Pläne. Offenbar haben die Planer, aber auch die Politik, die Komplexität des Bauwerks unterschätzt. Sage keiner, man habe sie nicht gewarnt: Das Rettungskonzept, das nun im Feuer steht, wurde schon vor Jahren infrage gestellt – berechtigterweise, wie sich herausstellt. Vielleicht sollte man wirkliche Fachleute engagieren. Zum Beispiel die Tunnelbau-Weltmeister aus Österreich, Südtirol oder der Schweiz, die offenbar mit mehr Fachkunde zu Werke gehen als Experten hierzulande.
Höchst ärgerlich ist auch, dass die Verantwortlichen für das Projekt am Rande der Vertuschung operieren. Nachfragen der Medien sind unerwünscht. In Bayern, das zeigt sich hier einmal mehr, fehlt ein Transparenzgesetz. Informationen werden nach Gutsherrenart verteilt. Es wird abgewiegelt, verharmlost, ja geleugnet – zum wiederholten Male. Aber es wird nicht besser, wenn man die Wahrheit nur scheibchenweise herausrückt.
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