„Russiagate“ bringt Lega in Nöte

von Redaktion

Aufnahme schürt Verdacht der illegalen Parteienfinanzierung

Rom – Im Moskauer Nobelrestaurant Metropol sitzt eine illustre Runde italienischer und russischer Unternehmer beisammen. Sie kommen von einem Wirtschaftsforum, auf dem gerade Vizepremier Matteo Salvini gesprochen hatte. Unter den Gästen bei jenem Abendessen vor neun Monaten war auch Gianluca Savo-ini, ein Getreuer aus dem inneren Zirkel des Lega-Chefs. Ein Mann mit besten Kontakten in den Kreml und zu Putin persönlich, seine Frau stammt aus Sankt Petersburg. So berichten die Medien.

Nicht wirklich sensationell, wäre das Tischgespräch nicht heimlich mitgeschnitten worden – Quelle unbekannt. Das US-Nachrichtenportal „Buzzfeed“ hat nun die Tonaufnahmen in ganzer Länge veröffentlicht. Und die versetzen Italien in helle Aufregung. Lobbyist Savoini preist darauf seinen Chef Matteo Salvini als „Anführer eines neuen Europas“, der die EU „an Russlands Seite“ führen wolle. Weiter wird über mögliche staatliche Aufträge für russische Unternehmen, Geldflüsse und Kredite gesprochen.

Bereits seit Februar ermittelt eine Sondereinheit der Mailänder Staatsanwaltschaft wegen Geldwäsche und illegaler Parteienfinanzierung sowohl gegen die Lega als auch europaweit gegen rechte Tarnnetzwerke. Der konkrete Vorwurf der Justiz: Mittelmann Savoini soll am 18. Oktober 2018 in Moskau „die Bedingungen für ein Abkommen ausgehandelt haben, durch das Millionen von Dollar aus den Einkünften der russischen Ölindustrie über einen geheimen Kanal an die Lega geflossen sind.“

Die Untersuchung steht offenbar in Verbindung mit der sogenannten Ibiza-Affäre der FPÖ, über die im Frühjahr die Koalition in Österreich zerbrochen war. Schon länger wird vermutet, dass rechtsextreme und europafeindliche Bewegungen in der EU indirekt aus Moskau finanziert werden. Matteo Salvini dementiert auf seine Art: „Niemals hat die Lega einen einzigen Rubel oder auch nur eine Flasche Wodka aus Moskau erhalten.“ Buzzfeed drohte er mit einer Verleumdungsklage. INGO-MICHAEL FETH

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