Gerüchte schwirren bereits seit Jahren durch die Korridore: Die ultrarechte Lega werde mit Finanzspritzen aus Moskau gepäppelt. Aus den Vermutungen könnte nun Gewissheit werden: Stück für Stück puzzelt die Mailänder Justiz zusammen, was sich zu einem der größten Skandale der Zweiten Republik auszuweiten droht. Erstmals scheinen die Ermittler den geheimen Geldflüssen auf der Spur, mit denen der Kreml rechtsextreme und antieuropäische Gruppen innerhalb der EU finanziert und sie für seine strategischen Interessen einspannt.
Brenzlig wird es besonders für den erfolgsverwöhnten Lega-Chef Matteo Salvini. Noch letzte Woche hatte er geglaubt, die heikle Affäre mit einem ironischen Basta beenden zu können: Weder Rubel noch Wodka habe seine Partei jemals aus Moskau erhalten. Und seinen angeblichen Russland-Emissär Gianluca Savoini, Schlüsselfigur im Politkrimi, kenne er nicht.
Der im Netz der Justiz zappelnde Lobbyist rächte sich auf seine Weise: Er postete dutzende Fotos mit Salvini bei diversen privaten und politischen Anlässen; zuletzt beim Staatsbankett mit Putin in Rom. Der Innenminister steht in der Öffentlichkeit als dreister Lügner da. Schon geht der Koalitionspartner, die Fünf Sterne, auf Distanz und fordert maximale Aufklärung. Vieles spricht dafür, dass bald neue Details der Staatsanwaltschaft ans Licht kommen. Die Schlinge zieht sich zu.
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