Verteidigung im Weltraum

Macrons Muskelspielchen

von Redaktion

MIKE SCHIER

Es sollte eine Demonstration europäischer Verteidigungskraft sein: Mit der etwas martialischen Parade in Paris anlässlich des Nationalfeiertags wollte Frankreich unter Beisein der europäischen Verbündeten den Chinesen, Russen und Amerikanern beweisen, dass die Europäer nicht so zahnlos sind, wie manch einer meinen mag. Doch am Vorabend zerschoss Präsident Emmanuel Macron die europäische Botschaft gleich selbst – mit seiner Ankündigung eines nationalen Raumfahrtkommandos.

Die Verteidigung nach außen gehört zu den wenigen Politikfeldern, auf denen EU-Bürger am liebsten möglichst viel Kompetenz nach Brüssel verlagern würden. Jeder weiß: Einzeln sind die Mitgliedsstaaten chancenlos, nur als Gemeinschaft werden sie zur Macht. Die wachsende Distanz zu Nato-Partnern wie der Türkei und leider auch den USA verstärkt das Gefühl, auch als EU aktiver werden zu müssen. Seit Jahren versucht man in Brüssel deshalb, aus dem Flickenteppich nationaler Armeen eine europäische Verteidigungskraft zu weben. Die EU-Staaten leisten sich 178 verschiedene Waffensysteme und 17 Typen von Kampfpanzern. Das mag historisch zu erklären sein, die Aufstellung einer schlagkräftige Truppe gestaltet sich angesichts dieser Vielfalt aber schwierig.

Die Verteidigung im Weltraum (beispielsweise von europäischen Satelliten), die demnächst auch von der Nato zum eigenständigen Operationsgebiet erklärt wird, böte nun ein ganz neues Feld. Eines, auf dem keine alten Fehler im Weg stehen. Eines, auf dem man gemeinsam vorgeht. Doch Macron ergeht sich wieder in nationalen Muskelspielchen. Vom einst gefeierten Vorzeige-Europäer bleibt immer weniger übrig. Das ist sehr bedauerlich.

Mike.Schier@ovb.net

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