Paris – Frankreich, Deutschland und andere EU-Partner haben beim französischen Nationalfeiertag deutlich den Willen für mehr Europa bei der Verteidigung signalisiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verfolgte mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron im Herzen von Paris die traditionelle Militärparade, bei der auch Bundeswehrsoldaten teilnahmen. Auch andere europäische Toppolitiker kamen.
Merkel würdigte am Sonntag die grenzüberschreitende Ausrichtung der traditionellen Parade zum 14. Juli „als eine große Geste in Richtung der europäischen Verteidigungspolitik.“ Sie sei auch geehrt, dass Deutsche teilgenommen hätten. „Und deshalb glaube ich, ist dies ein Zeichen einer verstärkten europäischen Zusammenarbeit“, sagte die Kanzlerin. Sie hob auch die Bedeutung für das deutsch-französische Verhältnis hervor. Bei dem Aufzug waren rund 500 Soldaten der Deutsch-Französischen Brigade dabei.
Frankreich, Deutschland, Großbritannien und eine Reihe anderer EU-Staaten brachten im vergangenen Jahr einen neue Militärkooperation auf den Weg. Die sogenannte Interventionsinitiative soll über eine deutlich engere Zusammenarbeit der Generalstäbe eine schnellere militärische Reaktion in Krisenlagen ermöglichen. Dem Bündnis haben sich bisher zehn Staaten angeschlossen – eine gemeinsame Interventionstruppe gibt es aber nicht.
Am Rande der Feierlichkeiten kam zu es Spannungen zwischen der Polizei und Demonstranten. Mindestens 152 Menschen wurden festgenommen. Zwei prominente „Gelbwesten“-Vertreter, Jerôme Rodriguez und Maxime Nicolle, wurden in Polizeigewahrsam genommen.
Am Vorabend hatte Macron den Aufbau eines militärischen Weltraumkommandos angekündigt: „Um die Entwicklung und Verstärkung unserer Fähigkeiten im Weltraum zu gewährleisten, wird im kommenden September ein großes Raumfahrtkommando innerhalb der Luftwaffe geschaffen“, sagte der 41-Jährige vor Militärs. Der Weltraum sei ein „neuer Bereich der Konfrontation“. Er habe eine Änderung der Militärdoktrin genehmigt, die „uns in die Lage versetzten wird, uns im Weltraum und aus dem Weltraum zu verteidigen“, sagte der Präsident.
Dabei gehe es auch um einen besseren Schutz französischer Satelliten. Die Luftwaffe werde bald zur Luft- und Weltraumwaffe, sagte der Präsident und kündigte entsprechende Investitionen an.
US-Präsident Donald Trump hatte im vergangenen Dezember die Bildung des „United States Space Command“ angeordnet. Auch die Nato befasst sich mit dem Thema. CHRISTIAN BÖHMER