Rackete: Alle Migranten aus Libyen holen

Der Plan der Kapitänin

von Redaktion

GEORG ANASTASIADIS

Seit ihrem tollkühnen Landemanöver im Hafen von Lampedusa wird Kapitänin Carola Rackete hierzulande als neue Nationalheldin verehrt: die tapfere Deutsche, die dem bösen Italiener die Stirn bietet. Die Frau, die handelt, während Europa sich wegduckt. Die Greta der Seenotrettung. Doch sollte im Überschwang der Gefühle vergessen worden sein, dass Frau Rackete nicht nur eine humanitäre, sondern auch eine sehr klare und weitgehende politische Agenda verfolgt, dann hat sie selbst die Bürger jetzt eindringlich daran erinnert: „Natürlich“ müsse Europa die 500 000 in Libyen gestrandeten Migranten „da rausholen“, sagt sie – vermutlich ebenso wie die ihnen folgenden. Und „natürlich“ müsse Europa wegen seiner Kolonialvergangenheit auch eine Zuflucht sein für (mutmaßlich Millionen) afrikanische Klimaflüchtlinge.

Das klingt bemerkenswert anders als die bisherigen Beteuerungen der Seenotretter, es gehe ja nur darum, eine lächerlich geringe Zahl von Schiffsflüchtlingen in sichere Häfen zu bringen. Nur dürfte für Racketes großen Plan eine gesellschaftliche Zustimmung in den EU-Ländern nicht so leicht zu mobilisieren sein wie für die Rettung von ein paar dutzend armer Teufel, die von Schleppern den im Meer wartenden Rettungsschiffen zugeführt werden, was laut einer ARD-Umfrage drei von vier Deutschen begrüßen.

Racketes Plan, statt eines französischen lieber einen italienischen Hafen anzusteuern und dort auf Biegen und Brechen die Konfrontation zu suchen, ist aufgegangen – und zwar für sie selbst und für Salvini. Italiens rabiater Volkstribun badet daheim in einer Welle der Zustimmung. Und die Seenotretter erhalten wieder Spenden in Millionenhöhe. Doch solange jede Rettung mit dem Ticket nach Europa belohnt wird, wird der Strom der Migranten, die sich freiwillig in Lebensgefahr begeben, nicht abreißen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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