Merkel setzt im Osten auf Innovation

von Redaktion

Görlitz: Kanzlerin besucht Siemens-Dampfturbinenfertigung – Buh-Rufe bei Pegida-Protest in Dresden

Görlitz/Dresden – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bei einem Besuch in Sachsen gestern in bester Verfassung präsentiert. Für ein paar Stunden besuchte sie am Nachmittag zunächst den Standort von Siemens in Görlitz. Die Kanzlerin erschien im royalblauen Blazer und grauer Hose und besichtigte im Beisein von Siemens-Chef Joe Kaeser und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mehrere Stationen der Dampfturbinen-Fertigung. Gut gelaunt und sichtlich entspannt fragte Merkel immer wieder nach Details.

Ein paar Stunden später wurde Merkel von Anhängern des islamfeindlichen Pegida-Bündnisses in Dresden allerdings ausgepfiffen und ausgebuht. Etwa 50 Leute schrien „Hau ab“ und „Merkel muss weg“ – Slogans, die Pegida-Demonstranten immer wieder bei Auftritten der Kanzlerin benutzen. Pegida-Anführer Lutz Bachmann hatte dafür eigens eine Spontandemonstration in der Nähe des Albertinums angemeldet, wo Merkel am Abend Teilnehmerin eines Netzwerktreffens von Frauen war. Pegida marschiert an Montagen regelmäßig durch Dresden und macht dabei Stimmung gegen Flüchtlinge und die Regierenden in Deutschland. Merkel zeigte sich von dem Empfang unbeeindruckt.

Im Gegensatz zum Empfang in Dresden war die Stimmung zuvor in Görlitz positiv. Denn Siemens hatte Positives zu vermelden. Der Konzern will mit dem Land Sachsen und der Fraunhofer-Gesellschaft auf seinem Görlitzer Werksgelände einen Innovationscampus entwickeln. High-Tech-Firmen, Start-ups und Forschungsinstitute sollen sich dort ansiedeln. Damit sollen Investitionen von etwa 30 Millionen Euro und 100 neue Jobs verbunden sein. So soll unter anderem ein Labor entstehen, in dem Siemens und Fraunhofer die Wasserstoffforschung vorantreiben wollen.

Nach den Worten von Siemens-Chef Kaeser geht es darum, sich auf die Zeit nach der Kohle vorzubereiten. Man habe viel über Strukturwandel gesprochen worden, jetzt sei es an der Zeit, zu handeln: „Wir haben keinen Planeten B“, sagte der Manager. Der „grüne Wasserstoff“ biete enorme Möglichkeiten. Einen Seitenhieb auf die AfD gab es auch: Die Investition sei ein Signal an diejenigen, „die Ängste und Sorgen der Menschen für ihre Zielen nutzen“, sagte Kaeser. Mit der Investition schaffe man „wirkliche Alternativen“ für Görlitz und Ostsachsen. Görlitz liegt in der Nähe des Lausitzer Braunkohlereviers, das vom Kohleausstieg betroffen ist.

Merkel lobte das Engagement für den Standort Görlitz und zeigte sich von dem dort gefertigten Produkt fasziniert. Solche Präzisionsturbinen ließen ein „Physikerherz“ höher schlagen, sagte sie. Wichtig sei, dass aus der Industrieregion eine Innovationsregion werde. S. BLOCK

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