Lawrow schlägt scharfe Töne an

von Redaktion

Russischer Außenminister nennt Sanktionen „perspektivlos“

Königswinter – Die Bereitschaft zum Dialog hat Bundesaußenminister Heiko Maas vor dem Treffen mit dem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow auf dem Petersberg bei Bonn nicht verloren. „Ohne Moskau werden wir die dringenden Fragen der Weltpolitik nicht beantworten“, sagte er gestern. Das war auch deshalb bemerkenswert, weil die Gegenseite zuvor ungleich schärfere Töne angeschlagen hatte.

In der „Rheinischen Post“ kritisierte Lawrow, der die russische Delegation beim „Petersburger Dialog“ anführt, die westlichen Strafmaßnahmen gegen sein Land wegen der Ukraine-Krise scharf: „Die antirussische Sanktionspolitik schadet den Europäern selbst gravierend. Die europäischen Haushalte vermissen dadurch Milliarden Euro, Zehntausende Arbeitsplätze werden verloren und nicht wieder geschaffen.“ Der politische und wirtschaftliche Druck auf Russland sei perspektivlos.

Es habe auch früher Frostzeiten gegeben, erinnerte Lawrow. „Doch heute haben wir es mit einer besorgniserregenden Situation zu tun. Unter dem Druck aus Washington, das eigene geopolitische Ziele verfolgt, beteiligen sich die Nato-Länder an einer aggressiven antirussischen Politik.“ Die Aufrüstung der Nato an den Grenzen Russlands könne das Risiko „unbeabsichtigter Zwischenfälle“ erhöhen.

Maas und Lawrow trafen am Nachmittag in Königswinter ein. Zu dem Dialogforum kamen 300 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Bereichen. Mit den Außenministern sind erstmals seit Beginn der Ukraine-Krise wieder hochrangige Regierungsvertreter beider Länder dabei.

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