Russische Provokationen

Moskaus Machthunger

von Redaktion

MARC BEYER

Der Petersburger Dialog hat schon bessere Zeiten erlebt, seit die beiden Männerfreunde Gerhard Schröder und Wladimir Putin ihn vor 18 Jahren ins Leben riefen. 2019 hat sich Putin gar nicht erst die Mühe gemacht, nach Königswinter zu kommen. Und auf deutscher Seite spricht Außenminister Heiko Maas vom „zarten Hoffnungsschimmer“ für die dauerkriselnde Beziehung. Die Betonung liegt auf zart.

Dialog, das klingt nach konstruktivem Austausch, nach ehrlichem Bemühen. Die Realität ist trister. Da wird die Passvergabe Moskaus für ukrainische Staatsbürger ausgeweitet, beteiligen sich Bodentruppen in Syrien an Kampfhandlungen. Es sind massive Provokationen, die die eigenen Ansprüche ebenso unterstreichen sollen, wie sie Deutschland – und ganz Europa – vor Augen führen, wie unbeeindruckt man von allen Sanktionen ist.

Während das Riesenreich Stärke und Machthunger demonstriert, ringt der Westen um Haltung und Geschlossenheit. Die Rückkehr Russlands in den Europarat ist bereits besiegelt, nun werben ostdeutsche Landespolitiker darum, Restriktionen abzubauen und auf Annäherung zu setzen. Dialog und Annäherung funktionieren aber nur, wenn auch wirklich beide Seiten sich bewegen.

Marc.Beyer@ovb.net

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