Rom – Zerbricht Italiens Koalition der Populisten ausgerechnet an der Wahl Ursula von der Leyens zur Präsidentin der EU-Kommission? Für Lega-Chef Matteo Salvini – in der Russland-Affäre immer stärker unter Druck – könnte es der willkommene Anlass sein, aus dem ungeliebten Bündnis auszusteigen. Im Gegensatz zur mit den europäischen Rechtsextremen verbündeten Lega hatten die 14 Europarlamentarier des Movimento Cinque Stelle für die deutsche Kandidatin gestimmt und ihr damit die knappe Mehrheit gesichert. Für deren Chef Luigi di Maio ein Akt der Verantwortung: „Wir haben uns in der Pflicht gesehen, damit Italiens Stimme auch künftig in Europa zählt. Gegen die neue Präsidentin zu stimmen, und dann Anspruch auf einen wichtigen Posten in der neuen Kommission zu stellen, erscheint mir widersinnig.“
Zuvor hatte Salvini schwere Vorwürfe gegen den Partner erhoben. „Die Grillini haben alle Wähler verraten, die einen Wechsel in Europa herbeiführen wollten. Gemeinsam mit den Abgeordneten von Partito Democratico und Forza Italia haben sie ausgerechnet der Kandidatin Macrons und Merkels ins Amt verholfen“, wetterte er auf Twitter. Das sei eine schwere Belastung für den Fortbestand der Koalition. „Noch ist Zeit, das Parlament sofort aufzulösen, um im September an die Urnen zu gehen.“
Seine Vorwürfe kommen just zu einem Zeitpunkt, an dem Gerüchte über einen bald bevorstehenden Koalitionswechsel in Rom die Runde machen. So gibt es offenbar Signale aus dem Partito Democratico (PD), bei einem Ausstieg der Lega wenigstens vorübergehend als Partner bereitzustehen. Man habe sehr wohl registriert, dass sich das Movimento und Premier Conte in Sachen Budget und Europa als moderates Element in der Regierung bewiesen hätten, heißt es aus Reihen des PD. Die Sterne-Bewegung gibt sich indes von Salvinis Drohungen demonstrativ unbeeindruckt. „Wenn er den Sturz der Regierung will, dann nur zu“, kontert di Maio kühl. INGO-MICHAEL FETH