Von einem „manipulativ-brillanten Meisterwerk“ spricht die AfD-nahe „Junge Freiheit“, das ebenfalls der AfD nahestehende Online-Portal „Journalistenwatch“ beklagt ein „Propagandastück“. Was die beiden Publikationen so auf die Palme bringt, ist die Tatsache, dass bei der Mittelmeermission der „Sea Watch“ und ihrer deutschen Kapitänin Carola Rackete im Juni vom ersten Tag an ein Kamerateam des NDR-Politmagazins „Panorama“ an Bord war, das die gesamte Aktion filmte.
„Mit Journalismus hat dies nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun“, schimpft „Jouwatch“-Autor Daniel Matissek über den rund zwanzigminütigen Beitrag, den das Erste im Rahmen der „Panorama“-Ausgabe am vergangenen Freitag ausstrahlte. Für Matissek ist darin schlichtweg alles „Inszenierung“, so sei das Schiff „bemerkenswert schnell“ bei den „bereits wartenden Schlauchbootpeople“ gewesen, die Geretteten seien „ausnahmslos junge, kräftige Männer“, deren Geschichten klängen, „als hätten die Schlepperbarone sie diese auswendig lernen lassen“.
Vorwürfe, die „Panorama“-Redaktionsleiter Volker Steinhoff gegenüber unserer Zeitung energisch zurückweist. Man habe Antworten auf die Frage bekommen wollen, „wie die Seenotrettung vor dem Hintergrund einer geänderten Politik abläuft und mit welchem Ergebnis“, so Steinhoff. Deshalb habe der NDR bei der „Sea Watch“ angefragt, ob eine Fahrt mit der Kamera journalistisch begleitet werden kann. Dabei habe durchaus das „Risiko“ bestanden, dass es zu keiner Rettung komme „und damit auch nicht zu den Beobachtungen der folgenden Abläufe“. Was die Aussagen der Geretteten betrifft, so „prüfen wir durchaus, ob die Angaben zutreffen können. Wenn sich da Zweifel ergeben, werden solche Aussagen nicht gesendet.“
Der Autor des „Jouwatch“-Textes arbeite „mit Behauptungen und Unterstellungen, Beweise fehlten: „Die Methode ist ja einfach und billig. Wenn man nicht möchte, dass das, was man sieht, stimmt, wird es als Inszenierung bezeichnet.“ RUDOLF OGIERMANN