Parteitag der Bayern-AfD

Das Märchen von der Einigkeit

von Redaktion

MARCUS MÄCKLER

Manche glauben offenbar, sie bräuchten sich die Einigkeit nur herbeizureden. Das Wort fällt jedenfalls auffällig oft bei diesem Sonderparteitag, bei dem sich die Bayern-AfD eigentlich von Staub und Schmutz der vergangenen Monate reinwaschen wollte. Im Vorhinein machte das Wort vom reinigenden Gewitter die Runde. Und ja, es krachte gewaltig. Aber besser geworden ist nichts.

Das hat verschiedene Gründe: Drängende Fragen, etwa die nach fehlenden Kostenbelegen des Landesverbands, wurden nicht beantwortet. Das Eingeständnis, Fehler gemacht zu haben, gab es nur abstrakt (man), aber nicht konkret (ich). Stattdessen rechtfertigte sich etwa Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner ohne Unterlass – und leider auch ohne den erkennbaren Willen, die Dinge künftig anders zu machen. Der bundesweit tobende Richtungsstreit zwischen Rechtsnationalen und Gemäßigten wurde heruntergespielt, nur um ihn dann auf offener Bühne wieder aufzuführen. Alles gipfelte in der These, die – Zitat eines Landtagsabgeordneten – „Ratten von den Medien“ seien Schuld. Dass die Partei sich auch ohne deren Zutun zerlegt, sehen nur wenige.

Die Bayern-AfD ist nach diesem zornig einberufenen Parteitag nicht weiter als zuvor, die viel beschworene Einigkeit – ein Märchen. Gerade die Landtagsfraktion ist so zerstritten, dass es ein Rätsel ist, wie sie je wieder zusammenfinden soll. Vielleicht hat der Parteitag zumindest in dieser Hinsicht für Klarheit gesorgt.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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