Eskalation am Golf

Zündeln trotz Explosionsgefahr

von Redaktion

KLAUS RIMPEL

Seit dem Rückzug der USA aus dem iranischen Atomabkommen spitzt sich die Situation in der Golfregion immer weiter zu – und die Sorge, dass aus den vielen kleinen Nadelstichen ein großer, auch für die Weltwirtschaft katastrophaler Krieg wird, nimmt mit jeder Provokation weiter zu. Vor allem deshalb, weil alle Beteiligten an diesem gefährlichen Spiel Getriebene sind, denen allzu leicht die Kontrolle über das, was sie da anstoßen, entgleiten könnte.

Da sind zum einen die Scharfmacher im Iran, die die Oberhand haben, seit die gemäßigten Kräfte durch Trumps unbegründete Kündigung des Atomabkommens ins Abseits gedrängt wurden. Der Atom-Deal hatte nicht den erhofften Aufschwung gebracht, es grummelt in der Bevölkerung. Ein Konflikt mit dem US-„Satan“ kommt gerade recht, um die Wut über die ökonomische Misere in Richtung Washington zu lenken. Der zweite Akteur sind die Briten, die angesichts von Theresa Mays Rücktritt im Macht-Vakuum stecken. Außenminister Jeremy Hunt setzt darauf, sich in dieser Iran-Krise als starker Mann gegenüber seinem Gegner im Kampf um die May-Nachfolge, Boris Johnson, zu profilieren. Und schließlich ist da Donald Trump. Der US-Präsident hat das Unrechts-Regime in Saudi-Arabien zu einem seiner wichtigsten Verbündeten gemacht – und muss nun aufpassen, sich vom Erzfeind des Iran nicht immer weiter in die Konfrontation hineinhetzen zu lassen.

Jeder dieser Akteure glaubt, das Spiel mit dem Feuer kontrollieren zu können. Sie zündeln an den Quellen des Öls, wo schon ein Funke zur Explosion führen kann.

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