Rom – Das zähe Ringen der europäischen Staaten um gerettete Migranten im Mittelmeer geht in eine neue Runde. Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye nahm am Mittwoch 40 Migranten im Mittelmeer vor Libyen an Bord des Schiffs „Alan Kurdi“ und fuhr am Abend in Richtung Lampedusa.. Ihnen dürfte eine neue Hängepartie bevorstehen. Mehr als 110 Migranten, die tagelang an Bord eines Schiffs der italienischen Küstenwache ausharrten, können indes an Land gehen und sollen auf sechs EU-Staaten verteilt werden.
Den privaten Seenotrettern warf der italienische Innenminister Matteo Salvini eine „fortlaufende Provokation“ vor. Anschließend untersagte er Sea-Eye die Einfahrt in die italienischen Hoheitsgewässer. Salvini ist für seinen rigorosen Anti-Migrationskurs bekannt und bekommt dafür große Zustimmung in Italien.
Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler erklärte, dass die italienische Insel Lampedusa der geografisch nächstgelegene sichere Ort für die „Alan Kurdi“ sei. Italien und Malta haben Hilfsorganisationen in der Vergangenheit immer wieder das Anlegen verwehrt. In Italien drohen ihnen Strafen, wenn sie unerlaubt in nationale Gewässer fahren.
Doch auch das Schiff der italienischen Küstenwache durften Dutzende gerettete Migranten nicht ohne Weiteres verlassen. Die Regierung in Rom verlangte wie in den vergangenen Monaten so oft eine europäische Lösung.
„Problem gelöst“, verkündete Salvini dann am Mittwoch. Deutschland, Portugal, Luxemburg, Frankreich und Irland hatten sich bereit erklärt, sich an der Aufnahme zu beteiligen.