Washington – Fast 17 Stunden benötigte US-Präsident Donald Trump, um sich nach den Amokläufen von El Paso und Dayton mit insgesamt 29 Toten persönlich vor den TV-Kameras zu zeigen. Der kurze Auftritt geschah schließlich vor dem Abflug von seinem Golfressort in New Jersey nach Washington – mit einer versteinert wirkenden First Lady an seiner Seite.
Zu diesem Zeitpunkt war die Debatte über die Frage längst voll entbrannt, welches Maß an Mitschuld Trump vor allem am Massenmord in der texanischen Grenzstadt El Paso trägt. Schließlich hatte dort der 21-jährige Täter, dem nun die Todesstrafe droht, seine Bluttat in einem „Manifest“ auch mit der angeblichen Überfüllung von Texas mit Mexikanern begründet – und angekündigt, er wolle „so viele wie möglich“ von ihnen töten. Während ein Teil der demokratischen Präsidentschaftsbewerber, allen voran Bernie Sanders und Beto O‘Rourke, Trump als Rassisten bezeichneten, machte in den sozialen Medien schnell ein bisher kaum beachteter Videoclip vom Mai die Runde. Der Präsident hatte damals bei einem Auftritt in Florida vor Sympathisanten gefragt, wie man denn handeln solle, wenn sich an der Grenze nur zwei oder drei Beamte tausenden von Migranten gegenübersehen würden, die ins Land drängten. Andere Ländern dürften dann zwar Waffen einsetzen, aber die USA nicht, so Trump. Dann kam seine Frage: „Wie sollen wir sie aber stoppen?“ Als ein Mann im Publikum die Worte „Schießt auf sie!“ rief, lächelte der Präsident – aber rief ihn nicht zur Ordnung.
Während sich die Republikaner bedeckt halten, mehren sich auch bei demokratischen Volksvertretern die Stimmen, die dem Präsidenten eine Mitschuld an den Toten geben. Die kalifornische Abgeordnete Maxine Waters, eine Afro-Amerikanerin, verkündete gestern: „Trump, du kannst der Schuld für diese eskalierenden Morde nicht entkommen, die durch deine rassistische Rhetorik motiviert worden sind.“
Der politisch so in Bedrängnis Geratene sucht unterdessen nach einer widerspruchslosen Verteidigungs-Strategie. Am Sonntag gab er zunächst einer „Geisteskrankheit“ der Täter die Schuld. Gestern wechselte er die Argumentation – und nahm die Medien ins Visier. Sie hätten mit „fake news“ zu dem „Zorn und der Wut“ beigetragen, die sich über viele Jahre im Land aufgebaut hätte. „Die Berichterstattung muss anfangen, fair, ausgewogen und unvoreingenommen zu sein, sonst werden diese schrecklichen Probleme nur noch schlimmer,“ so der Präsident via Twitter.
Später gab es eine 15-minütige Erklärung. Im Weißen Haus sprach er von „Schock, Horror und Trauer“ nach den „barbarischen“ Attacken, die auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit seien. Nun will Trump „mit Dringlichkeit“ handeln. Zunächst möchte er, dass die Nation „Hass, Rassismus und weißen Nationalismus“ verdammt. US-Bürger, „die ein ernsthaftes Risiko für die öffentliche Sicherheit darstellen“, dürften keinen Zugang zu Waffen haben. Sollten sie welche besitzen, müsse es möglich sein, ihnen diese in einem „schnellen, rechtmäßigen Verfahren“ abzunehmen.
Für Hass-Morde schwebt Trump die Todesstrafe vor. Er habe das Justizministerium angewiesen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.